Multilayer-PCB erklärt: Layer-Stackup, Designregeln, Fertigungsprozess & Anwendungen

single vs double vs multilayer PCB comparison
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Eine Multilayer-PCB (auch Multilayer-PCB-Board genannt) ist eine Leiterplatte mit drei oder mehr Kupferlagen, die mit isolierenden Dielektrika gestapelt und anschließend unter Wärme und Druck laminiert werden. Während zweiseitige Leiterplatten (Double-Sided PCBs) für mittelkomplexe Designs oft ausreichen, benötigen moderne Elektronikprodukte—insbesondere Funksysteme, kompakte Consumer-Geräte und schnelle Digitalelektronik—deutlich höhere Routing-Dichte, bessere EMI/EMV-Eigenschaften und eine stabilere Stromversorgung (Power Integrity).

Dieser Leitfaden erklärt, was Multilayer-PCBs sind, wie man die Lagenanzahl auswählt, welche Designprinzipien wichtig sind, wie der Fertigungsablauf aussieht und wo Multilayer-Leiterplatten typischerweise eingesetzt werden.

Was ist eine Multilayer-PCB?

Eine Multilayer-Leiterplatte besteht aus abwechselnden Kupferfolien und dieelektrischen Prepreg- bzw. Core-Materialien, die zu einer stabilen, starren Struktur laminiert werden. Die Außenlagen (Top und Bottom) tragen meist die Bauteile, während Innenlagen für Routing, Stromverteilung sowie Ground-Referenzflächen vorgesehen sind.

single vs double vs multilayer PCB comparison

Unterschied zur zweiseitigen Leiterplatte (Double-Sided PCB)

Kurzvergleich:

  • Routing-Dichte:
    zweiseitig: mittel — Multilayer: sehr hoch
  • Signalintegrität:
    zweiseitig: begrenzt — Multilayer: sehr gut (durch Referenzflächen)
  • EMI/EMV-Kontrolle:
    zweiseitig: basic — Multilayer: stark und gut vorhersehbar
  • Bauraum-/Größenreduktion:
    zweiseitig: begrenzt — Multilayer: deutlich
  • Kosten:
    zweiseitig: niedrig — Multilayer: höher
  • Zuverlässigkeit:
    zweiseitig: gut — Multilayer: sehr gut (kürzere Leitungswege, weniger Rauschen)

Während eine zweiseitige Leiterplatte Signale nur auf zwei Lagen routet, bietet eine Multilayer-PCB mehrere interne Routingkanäle. Das ermöglicht kompaktere Layouts, kürzere Rückstrompfade und kontrollierte Impedanz für High-Speed-Schnittstellen.

Woran erkennt man eine Multilayer-PCB?

Ein schneller Check ist die Kantenansicht: Multilayer-PCBs zeigen mehrere laminierte Schichten an der Platinenkante statt eines einheitlichen Kernmaterials. Hochdichte Boards wirken außerdem oft etwas schwerer, da mehr Kupfer enthalten ist.

Aufbau einer Multilayer-PCB

Eine typische Multilayer-PCB ist wie ein „Sandwich“ aus Kupfer und Dielektrikum aufgebaut:

  • Top Layer – Pads und kurze Leiterzüge
  • Interne Signallagen – kontrolliertes Routing, hohe Netzdichte
  • Power-Plane-Lagen – niederimpedante Stromversorgung
  • Ground-Plane-Lagen – Referenzfläche für Signale
  • Bottom Layer – Bauteile, Steckverbinder oder Breakout-Routing

Die dielektrischen Materialien bestimmen Abstände und wichtige elektrische Eigenschaften wie Impedanz, Verlust (Loss) und Übersprechen (Crosstalk). Dünnere Dielektrika und engere Kopplung an die Masse verbessern typischerweise die High-Speed-Performance.

Wie viele Lagen braucht man?

Die meisten kommerziellen Multilayer-PCBs liegen zwischen 4 und 12 Lagen, wobei Netzwerkgeräte, Automotive-Radar oder Server-/Computing-Systeme häufig 16–30+ Lagen erfordern.

Warum haben Multilayer-PCBs meist eine gerade Lagenzahl?

Gerade Lagenzahlen lassen sich beim Laminieren gleichmäßiger aufbauen, was das Risiko von Verzug/Warpage reduziert und die Fertigungsausbeute verbessert. Ungerade Lagenzahlen sind grundsätzlich möglich, werden aber meist wegen höherer Kosten und mechanischer Spannungen vermieden.

Schneller Entscheidungsleitfaden

  • Einfache MCU-/IoT-Boards, stromsensitiv: 4 Lagen
  • Mittelkomplexe Digitalschaltungen, RF-Bereiche: 6 Lagen
  • High-Speed (USB 3.x, PCIe, DDR), mittlere Dichte: 8 Lagen
  • Sehr hohe Dichte, mehrere BGAs, kontrollierte Impedanz + EMC: 10–12 Lagen

Wichtige Kriterien bei der Lagenwahl:

  • BGA-Pitch & I/O-Anzahl
  • High-Speed-Signale mit Bedarf an nahen Referenzflächen
  • Anzahl der Versorgungsschienen (Power Rails)
  • Stackup-Symmetrie und Fertigbarkeit
  • Kosten-/Performance-Anforderungen

Via-Typen: Through-Hole, Blind und Buried

Multilayer-PCBs nutzen Vias, um Lagen elektrisch zu verbinden. Häufige Typen:

through hole blind buried via diagram

1) Through-Hole Via (PTH)

  • Von oben nach unten durchgebohrt
  • Günstig und am einfachsten herzustellen
  • Für allgemeines Routing und bedrahtete Bauteile geeignet

2) Blind Via

  • Verbindet eine Außenlage mit einer oder mehreren Innenlagen
  • Reduziert Routing-Engpässe unter dichten BGAs
  • Teurer durch präzise Tiefensteuerung

3) Buried Via

  • Verbindet ausschließlich Innenlagen
  • Schafft mehr Platz auf den Außenlagen
  • Häufig bei kompakten und schnellen Designs

Hinweis zu HDI-Multilayer-PCBs

HDI nutzt Microvias—sehr kleine, lasergebohrte Vias—für extrem enge BGA-Pitches und kurze Signalwege.

Wichtige Designgrundlagen für Multilayer-PCBs

Dieser Abschnitt fasst praxisnahe, breit anwendbare Designregeln zusammen.

1) Stackup-Grundlagen

Ein guter Stackup ist das Fundament einer zuverlässigen Multilayer-PCB. Drei Kernregeln:

Regel 1: Signallagen nahe an Ground- oder Power-Planes platzieren

Das sorgt für starke elektromagnetische Kopplung, reduziert die Schleifenfläche und verbessert die Signalqualität.

Regel 2: Einen durchgängigen Rückstrompfad sicherstellen

High-Speed-Signale suchen den Pfad mit der geringsten Induktivität. Vermeiden Sie das Überqueren von Split Planes, da dies den Rückstrompfad stört und EMI-Probleme verursacht.

PCB return path and EMI loop area

Regel 3: Stackup-Symmetrie erhalten

Ungleichmäßige Kupferverteilung kann beim Laminieren zu Verzug führen. Symmetrische Stackups minimieren mechanische Spannungen.

2) Einsatz von Power- und Ground-Planes

Dedizierte Power- und Ground-Planes:

  • reduzieren Rauschen
  • verbessern die Power Integrity
  • ermöglichen vorhersehbares Routing mit kontrollierter Impedanz

In digitalen Designs werden GND-Planes oft zentral platziert, um Signallagen besser zu schirmen.

3) Routing-Regeln für High-Speed und Mixed-Signal

  • Layer-Wechsel minimieren, um Via-Stubs und Reflexionen zu reduzieren
  • Benachbarte Lagen orthogonal routen (X–Y), um Crosstalk zu verringern
  • Unter Differenzialpaaren konsistente Referenzflächen sicherstellen
  • Takt- und High-Speed-Leitungen von „lauten“ Power-Schaltungen fernhalten
  • In empfindlichen Analogbereichen Switching-Rückströme isolieren

Das sind robuste Grundregeln, ohne in Spezialberechnungen abzutauchen.

Multilayer-PCB-Fertigung: Der Herstellungsablauf

Die Fertigung folgt einem klaren, schrittweisen Prozess. Hier ein gut verständlicher Überblick:

Schritt 1: Innenlagen-Belichtung & Ätzen (Inner Layer Imaging & Etching)

Kupfer wird mit Fotolack versehen, per UV belichtet und anschließend geätzt, um die internen Leiterstrukturen zu erzeugen.

Schritt 2: Laminieren (Lamination)

Mehrere Cores und Prepreg-Schichten werden unter hoher Temperatur und Druck verpresst. Das erfordert präzise Prozesskontrolle, um Lufteinschlüsse, Versatz oder Warpage zu vermeiden.

Schritt 3: Mechanisches Bohren

Tausende Bohrungen für Vias und Bauteilanschlüsse werden erstellt. Die Bohrqualität beeinflusst die Zuverlässigkeit der Durchkontaktierung und die Annular-Ring-Genauigkeit.

Schritt 4: Desmear & Kupfergalvanik (Desmear & Copper Plating)

Harzrückstände werden entfernt (Desmear), anschließend werden die Lochwände kupferbeschichtet. Dadurch entstehen leitfähige „Barrels“, die die Lagen verbinden.

Schritt 5: Außenlagen-Strukturierung (Outer Layer Patterning)

Nach dem Laminieren werden die Außenlagen belichtet und geätzt, um Top- und Bottom-Routing zu erzeugen.

Schritt 6: Lötstoppmaske & Bestückungsdruck (Solder Mask & Silkscreen)

Die Lötstoppmaske schützt Leiterzüge vor Oxidation und Lötbrücken. Der Bestückungsdruck zeigt Bauteilbezeichnungen und Polaritätsmarkierungen.

Schritt 7: Endoberfläche (Final Finishing)

Oberflächen wie HASL, ENIG, ENEPIG oder OSP werden auf freiliegende Pads aufgebracht, damit die Platine für die Bestückung bereit ist.

Schritt 8: Elektrischer & Funktionstest

Flying-Probe oder Bed-of-Nails Tests prüfen Durchgang, Kurzschlüsse und die korrekte Lagenverbindung.

multilayer PCB fabrication steps flowchart

Vorteile und Nachteile von Multilayer-PCBs

Wichtige Vorteile

  • hohe Routing-Dichte → kompakte Produktdesigns
  • bessere EMI/EMV-Eigenschaften
  • bessere Signalintegrität durch Referenzflächen
  • kürzere Leiterzüge → geringere parasitäre Effekte, weniger Rauschen
  • höhere mechanische Stabilität als Single-Layer Boards

Wichtige Einschränkungen

  • höhere Fertigungskosten als bei einfachen Boards
  • komplexeres Design und Layout
  • Fehlersuche und Rework schwieriger wegen interner Strukturen

Trotzdem sind Multilayer-PCBs die bevorzugte Basis moderner Elektronik.

Typische Anwendungen von Multilayer-PCBs

Multilayer-PCBs stecken in nahezu jedem fortschrittlichen Elektronikprodukt, z. B.:

Consumer Electronics

Smartphones, Laptops, Tablets, Wearables, Kameras

Kommunikationstechnik

Router, Basisstationen, RF-Module, Satellitenelektronik

Industrie & Automation

Motorsteuerungen, SPS/PLC, Messtechnik, Sensor-Interfaces

Automotive & Transportation

ADAS, Radar, Infotainment, EV-Steuergeräte

Medizintechnik

Portable Monitore, Bildgebungssysteme, Handheld-Analysatoren

Multilayer-PCBs ermöglichen hohe Funktionalität auf kleinem Raum—deshalb sind sie in diesen Branchen unverzichtbar.

Häufige Fragen (FAQ)

Was ist die minimale Lagenzahl einer Multilayer-PCB?

Technisch sind drei Kupferlagen das Minimum, in der Praxis gelten jedoch 4-Lagen-PCBs als die am häufigsten gefertigten „echten“ Multilayer-Boards.

Warum haben Multilayer-PCBs meist eine gerade Lagenzahl?

Weil der Aufbau gleichmäßiger ist, mechanische Spannungen sinken und Fertigungsfehler reduziert werden.

Wann sollte ich 4 Lagen vs. 6 Lagen wählen?

4 Lagen für einfache IoT-/MCU-Projekte, 6 Lagen, wenn Routing-Komplexität oder EMI-Anforderungen steigen.

Was ist der Unterschied zwischen Blind, Buried und Through-Hole Vias?

Through-Hole: von oben nach unten
Blind: Außenlage zu Innenlage
Buried: Innenlage zu Innenlage

Warum haben Multilayer-PCBs bessere EMI-Eigenschaften?

Signale können über durchgehende Kupfer-Referenzflächen geführt werden, was Schleifenflächen verkleinert und Abstrahlung reduziert.

Warum sind Multilayer-PCBs schwerer zu reparieren?

Innenlagen sind nicht direkt zugänglich; Defekte können zwischen dielektrischen Schichten verborgen liegen.

Woran erkenne ich eine Multilayer-PCB?

An der Platinenkante sind mehrere laminierte Lagen sichtbar.

Fazit

Multilayer-PCBs sind das Rückgrat moderner High-Performance-Elektronik. Wer die Lagenwahl, Stackup-Planung, Routing-Grundlagen und den Fertigungsprozess versteht, kann zuverlässigere, kompaktere und EMV-robustere Produkte entwickeln.

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