Wenn Sie Elektronik löten, Kupferrohre verlöten oder Bleiglas reparieren, entscheidet eine kleine Chemikalie darüber, ob Ihre Lötstellen stark und glänzend – oder stumpf, rissig und schwach sind. Diese Chemikalie ist das Flussmittel (Flux).
Was ist Flussmittel beim Löten? Flussmittel ist ein entscheidendes Hilfsmittel: Es reinigt Metalloberflächen, verhindert Oxidation und hilft, dass geschmolzenes Lot gleichmäßig fließt und feste metallische Verbindungen bildet. Kurz gesagt: Ohne Flussmittel funktioniert sauberes Löten nicht zuverlässig.
In diesem Leitfaden erklären wir, was Flussmittel ist, woraus es besteht, wie es wirkt, welche Arten es gibt und wie Sie das richtige Flussmittel auswählen und einsetzen – besonders für Leiterplatten (PCB) und die Elektronikfertigung.

Warum Flussmittel wichtig ist: Das eigentliche Problem heißt Oxidation
Um Flussmittel zu verstehen, müssen Sie zuerst die Oxidation verstehen.
Metalle wie Kupfer und Zinn reagieren mit Sauerstoff in der Luft und bilden eine dünne Oxidschicht auf der Oberfläche. Diese Schicht ist Gift fürs Löten – Lot benetzt sie nicht. Statt sich auszubreiten und zu verbinden, perlt es ab, rollt weg oder haftet ungleichmäßig.
Darum „haftet“ Lot manchmal nicht am Pad oder Draht, obwohl es heiß genug ist – Oxidation blockiert die Verbindung.
Flussmittel löst drei Kernprobleme auf einmal
- Entfernt Oxide von der Metalloberfläche.
- Verhindert erneute Oxidation während des Erhitzens durch einen Schutzfilm.
- Verbessert die Benetzung, damit das Lot gleichmäßig fließt.
So verbindet sich das Lot sauber mit beiden Oberflächen – das Ergebnis sind glatte, glänzende und zuverlässige Lötstellen.

Wofür wird Flussmittel beim Löten verwendet?
Die häufige Frage lautet: „Brauche ich wirklich Flussmittel?“ Die kurze Antwort: Ja – in den meisten Fällen.
Auch wenn viele Lote einen Flussmittelkern besitzen, ist zusätzliches Flussmittel oft nötig – vor allem bei Reparaturen oder präzisen Arbeiten.
Wann Sie Flussmittel unbedingt (oder besser) zufügen sollten
- Rework und Reparaturen: Alte Lötstellen sind oxidiert, das ursprüngliche Flussmittel ist verdampft.
- Feinraster/Drag Soldering bei SMD-ICs: Mehr Flussmittel verhindert Brücken und fördert gleichmäßigen Fluss.
- Heißluft oder Reflow-Arbeiten: z. B. BGA-/QFN-Reballing.
- Verzinnen von Drähten oder beschichteten Flächen, die matt oder verunreinigt sind.
Wann der Flussmittelkern im Lot ausreichen kann
- Neue, saubere PCBs mit guter Lötbarkeit und kontrolliertem Prozess (z. B. automatischer Reflow).
- Hobby-Projekte/kleine Verbindungen, wenn die Oberflächen frisch sind und das Lot leicht fließt.
Auch dann setzen erfahrene Techniker häufig eine kleine Menge externes Flussmittel ein – für mehr Konstanz, weniger Nacharbeit und längere Spitzenlebensdauer.
Woraus besteht Flussmittel?
Flussmittel ist keine einzelne Chemikalie, sondern eine Formulierung aus mehreren Bestandteilen, die zusammenwirken. Die Rezepturen variieren, doch fast alle enthalten:
- Aktivatoren (Säuren oder Halogenide)
Das sind die „Reiniger“, die Oxide lösen und blankes Metall freilegen. Stärkere Aktivität sorgt für schnellere Reinigung – erhöht aber das Korrosionsrisiko, wenn Rückstände verbleiben. - Feststoffe/Harze (z. B. Kolophonium/Rosin)
Sie bilden einen Schutzfilm, der erneute Oxidation beim Abkühlen verhindert, und beeinflussen Klebrigkeit/Glanz und Fließeigenschaften. - Lösungsmittel/Träger
Sie bestimmen die Form des Flussmittels (flüssig, Gel/Paste, Stift) und verdampfen beim Erhitzen, sodass die aktiven Stoffe am Lötpunkt zurückbleiben.
Manche Formulierungen enthalten zusätzlich Benetzungsadditive, Rheologie-Modifikatoren und Stabilisatoren.
Flussmittelarten für das Elektroniklöten
Üblich ist eine Einteilung nach Rückstandsverhalten und Reinigungsbedarf:
1) Kolophonium-basiert (Rosin: R, RMA, RA)
- Natürliches Harz mit geringer bis mittlerer Aktivität.
- R: geringste Aktivität, harter glänzender Rückstand.
- RMA (mild aktiviert): sehr verbreitet fürs Handlöten.
- RA (aktiviert): hohe Aktivität, sehr gute Reinigung, Reinigung erforderlich.
- Gut für Durchstecktechnik und manuelles Löten.
2) No-Clean
- Sehr milde Aktivatoren, hinterlassen nichtleitende, nichtkorrosive Rückstände.
- Für Prozesse gedacht, in denen Reinigen unpraktisch ist (z. B. Massen-SMT).
- „No-Clean“ bedeutet nicht immer „nie reinigen“ – bei hochohmigen Schaltungen oder Schutzlack können Rückstände stören.
3) Wasserlöslich (organische Säuren)
- Sehr aktiv und mit Wasser abwaschbar.
- Hervorragend für schwer lötbare Oberflächen oder bleifreie Legierungen.
- Muss immer gewaschen werden, da Rückstände korrosiv und hygroskopisch sind.
Kurzüberblick
| Typ | Aktivität | Rückstand | Reinigung | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Rosin (R/RMA/RA) | niedrig–hoch | harter, bernsteinfarbener Film | optional → erforderlich | Handlöten, allgemeine PCB |
| No-Clean | niedrig | dünn, klar | meist nicht | SMT-Massenfertigung |
| Wasserlöslich | hoch | wasserlöslicher Rückstand | immer | bleifrei, Hochtemperatur, Reflow |

Formen von Flussmittel: Flüssig, Gel/Paste, Stift, Lot mit Flussmittelkern
- Flüssig: niedrige Viskosität; ideal zum Vorbeschichten oder Tauchen vor der Wellenlötung. Vorsicht vor Überdosierung.
- Gel/Tacky: dick und haftend; perfekt für Rework, Drag-Soldering oder Heißluft – bleibt an Ort und Stelle.
- Flussmittelstifte: präzise Nacharbeit ohne Kleckern.
- Lot mit Flussmittelkern: Standard beim Handlöten; der Hohlkern aktiviert beim Schmelzen.
- Lötpaste: Mischung aus Lötpulver und Flussmittel für Schablonendruck und Reflow.
Entscheidend ist, die Flussmittelform zum Prozess passend zu wählen.
Sollten Sie Flussmittelrückstände reinigen?
Rückstände sind ein leiser, aber entscheidender Faktor für Langzeit-Zuverlässigkeit.
Wann Reinigung empfohlen ist
Auch bei „No-Clean“ kann Reinigen spätere Probleme vermeiden:
- Hochohmige oder hochspannende Knoten.
- Schutzlack (Conformal Coating) oder Verguss (Potting) – Rückstände verschlechtern die Haftung.
- In-Circuit-Test (ICT) – klebrige Rückstände sammeln Staub und erschweren Kontakt.
- Feuchte Umgebungen, Kondensation oder ionische Verunreinigung.
So reinigen Sie
- Rosin/No-Clean: Isopropanol (IPA) oder spezielle Lösemittelreiniger, mit weicher Bürste oder fusselfreiem Tuch.
- Wasserlöslich: Spülen mit deionisiertem Wasser, ggf. mildes Reinigungsmittel, danach gründlich trocknen.
- Keine aggressiven Säuren und keine Lösemittelmischungen – das kann Lötstopplack oder Bauteile schädigen.
Faustregel: Sehen Sie Rückstände – oder ist hohe Zuverlässigkeit gefordert – reinigen.
Elektronik-Flussmittel vs. Sanitär-Flussmittel
Hier passieren die meisten Anfängerfehler.
Flussmittel für Sanitär/Metallbau ist nicht dasselbe wie für Elektronik.
Sanitär-Flussmittel (für Kupferrohre) enthält oft stärkere Säuren wie Zinkchlorid oder Ammoniumchlorid – gedacht für große, raue Flächen bei hoher Temperatur.
In der Elektronik sind diese Säuren verhängnisvoll: Sie korrodieren Kupferleiterbahnen, greifen Lötstopp an und können leitfähige Pfade bilden (Kurzschluss/Leckströme).
Falls versehentlich Sanitär-Flussmittel auf einer PCB verwendet wurde: sofort mit warmem Wasser und anschließend Alkohol waschen und auf Korrosion prüfen. Am besten: Sanitär-Flussmittel vom Elektronik-Arbeitsplatz fernhalten.

Flussmittel richtig anwenden
- Vorreinigen: Fette, Fingerabdrücke, starke Oxidation mit IPA oder feinem Abrasiv entfernen.
- Dünn und gleichmäßig auftragen: Zu viel verursacht Spritzer und klebrige Rückstände.
- Lötstelle langsam erwärmen: Aktivierung meist bei 150–200 °C (300–400 °F); kurz wirken lassen.
- Lot zuführen: Nach der Aktivierung soll das Lot frei fließen und das Pad bedecken.
- Wärme entfernen & prüfen: Gute Lötstellen sind glatt, glänzend, leicht konkav.
- Bei Bedarf reinigen (siehe oben).
Häufige Fehler: zu viel Flussmittel, zu wenig/zu viel Hitze (nicht aktiviert/verschmort), Mischen unterschiedlicher Flussmittelchemien.
Fehlersuche: Typische Lötprobleme und die Flussmittel-Abhilfe
| Problem | Wahrscheinliche Ursache | Abhilfe mit Flussmittel |
|---|---|---|
| Lot haftet nicht / perlt ab | Oberfläche oxidiert, kein/zu wenig Flussmittel | Frisches Flussmittel auftragen, Oberfläche reinigen |
| Stumpfe, körnige Lötstelle | Flussmittel verbrannt/erschöpft | Temperatur senken, neu flussmitteln und nachlöten |
| Lötbrücken/Kurzschluss | Zu viel Flussmittel oder falscher Typ | Gel-Flux sparsam einsetzen, Rückstände reinigen |
| Schwarze/klebrige Rückstände | Überhitzung oder saures Flussmittel | Gründlich reinigen, auf Rosin/No-Clean wechseln |
| Rework scheitert wiederholt | Rückstandsaufbau | Vor erneutem Flussmittelauftrag vollständig reinigen |
Flussmittel ist kein Zauber – aber das wirksamste Mittel, um die meisten gängigen Lötprobleme zu beheben.
FAQ
1. Kann man ohne Flussmittel löten?
Technisch ja, aber unzuverlässig: Oxide verhindern Benetzung, Lötstellen werden schwach oder intermittierend.
2. Woraus besteht Flussmittel?
Aus Aktivatoren, Harzen, Lösungsmitteln und ggf. Additiven zur Benetzung/Viskosität.
3. Wofür wird Flussmittel verwendet?
Zum Reinigen und Schützen der Metalloberflächen, damit das Lot eine starke, leitfähige Verbindung bildet.
4. Ist Lötpaste dasselbe wie Flussmittel?
Nein. Lötpaste = feines Lötpulver + Flussmittel. Das Flussmittel aktiviert beim Reflow, die Legierung bildet die Verbindung.
5. Ist No-Clean wirklich „ohne Reinigen“?
Nur unter kontrollierten Bedingungen. In empfindlichen/hochohmigen Schaltungen kann Reinigung trotzdem nötig sein.
6. Kann ich Sanitär-Flussmittel für Elektronik nutzen?
Nein. Es ist sauer und korrodiert Leiterbahnen und Bauteile.
7. Wie reinige ich Flussmittelrückstände auf einer PCB?
Rosin/No-Clean: IPA oder Spezialreiniger + weiche Bürste, fusselfreies Tuch.
Wasserlöslich: mit deionisiertem Wasser spülen und gut trocknen.
8. Welches Flussmittel ist für PCB-Rework am besten?
Tacky/Gel-No-Clean oder RMA – bleibt am Platz und bietet lange Aktivierung.
Schlussgedanken
Flussmittel mag unbedeutend wirken, ist aber die Grundlage jeder starken, zuverlässigen Lötstelle. Wer versteht, wie Flussmittel wirkt und welchen Typ er wählt, verbessert die Ausbeute, reduziert Nacharbeit und verlängert die Produktlebensdauer.
Setzen Sie für beste Ergebnisse Elektronik-Flussmittel ein, beachten Sie korrekte Reinigung und Handhabung und prüfen Sie die Kompatibilität mit Ihrer Lötlegierung und Ihrem Prozess.
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