Ein umfassender Leitfaden zum Schablonendruck von Lötpaste in der SMT-Fertigung

SMT solder paste printing machine applying paste through a stencil onto PCB pads
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Table of Contents

Einleitung

Der Schablonendruck von Lötpaste ist ein entscheidender Schritt in der modernen SMT-Bestückung (Surface Mount Technology). Dabei wird Lötpaste mithilfe einer präzise konstruierten Schablone auf eine Leiterplatte (PCB) aufgetragen, um eine exakte Deposition auf jedem Pad zu gewährleisten. Die Qualität dieses Prozesses beeinflusst unmittelbar die Festigkeit der Lötstellen, die Platzierungsgenauigkeit der Bauteile und die Gesamtzuverlässigkeit des Produkts.

Dieser Artikel bietet einen klaren, umfassenden Überblick über den Lötpasten-Schablonendruck – von Grundbegriffen und Schablonendesign über zentrale Druckparameter und typische Fehlerbilder bis zu Reinigung, Wartung und Best Practices zur Ertragssteigerung und Reduzierung von Nacharbeit.

Ob Sie eine hochvolumige SMT-Linie optimieren oder Prototypen fertigen: Dieser Leitfaden hilft Ihnen, die wichtigsten Einflussgrößen des Schablonendrucks zu verstehen und zu beherrschen.

Überblick über den SMT-Schablonendruckprozess

Der Schablonendruck ist der erste und zugleich kritischste Schritt in der SMT-Montage. Er bestimmt, wie genau und wiederholbar Lötpaste auf SMD-Pads einer Leiterplatte abgeschieden wird – mit direktem Einfluss auf Bauteilplatzierung und Lötqualität.

SMT solder paste printing machine applying paste through a stencil onto PCB pads

Typische Hauptschritte:

  • Ausrichten von Schablone und PCB
    Die Schablone (meist Edelstahl oder Nickel) wird präzise zur Leiterplatte ausgerichtet. Fiducials (Ausrichtmarken) und die Kameras des Druckers sichern die Position, besonders bei Fine-Pitch-Bauteilen.
  • Auftragen der Lötpaste
    Eine Metallrakel schiebt die Paste über die Schablone, füllt die Öffnungen (Apertures) und überträgt sie auf die Pads. Geschwindigkeit, Winkel und Druck der Rakel bestimmen Gleichmäßigkeit und Volumen.
  • Abheben/Trennen (Snap-off/Separation)
    Nach dem Rakeln wird die Schablone angehoben und hinterlässt saubere Pastenabdrücke. Trennhub und Oberflächenfinish der Schablone sind entscheidend, um Verschmierungen oder Brücken zu vermeiden.
  • Inspektion nach dem Druck (SPI)
    3D-Lotpasteninspektionssysteme prüfen Volumen, Form, Lage und erkennen früh Fehler wie Unterdosierung, Brücken oder Versatz – und reduzieren so spätere Nacharbeit.
  • Transfer zur Bestückung
    Mit sauberen Pastenabdrücken geht die Leiterplatte manuell oder über ein Inline-Fördersystem an den Bestückautomaten.

Grundlagen des Schablonendesigns

Ein wirksamer Lötpastendruck steht und fällt mit dem richtigen Schablonendesign. Gute Schablonen liefern das benötigte Pastenvolumen, lösen die Paste sauber aus den Öffnungen und übertragen sie konsistent auf die Pads. Schlechtes Design führt häufig zu Unterdosierung, Brücken, Tombstoning oder Platzierungsproblemen.

1) Schablonenmaterialien

MaterialtypEigenschaftenVorteileTypische Anwendungen
EdelstahlLaser-geschnitten, StandardmaterialRobust, kostengünstig, weit verbreitetAllgemeine SMT-Fertigung
Elektroform-NickelSehr präzise, glatte AperturwändeHervorragende Pastenfreigabe für Fine-PitchHDI, BGA, 01005
Polyimid-Folie (Mylar)Flexibel, chemisch/laser-geätztGünstig, schnell für PrototypenPrototypen, Kleinserien

2) Auswahl der Schablonendicke

Die Dicke der Schablone bestimmt das Pastenvolumen: Dickere Schablonen für große Pads/Steckverbinder, dünnere für Fine-Pitch-ICs.

DickePitch-BereichEmpfohlen für
0,10 mm (4 mil)≤ 0,5 mmFine-Pitch QFP, BGA, CSP, 0201/01005
0,12 mm (5 mil)0,5–0,8 mmAllgemeine SMT-Anwendungen
0,15 mm (6 mil)≥ 0,8 mmGroße Pads, Steckverbinder, Paste-in-Hole

Tipp: Bei gemischten Bauformen sind Step-Schablonen mit lokalen Dickenänderungen sinnvoll.

3) Aperturdesign und Geometrie

  • Apertur-Reduktion: In der Regel 10–20 % kleiner als das Pad, um Brücken zu vermeiden.
  • Eckenradius: Abgerundete Ecken verbessern die Pastenfreigabe und reduzieren Verstopfungen.
  • Aperturformen: Für Thermal-Pads und große Flächen Home-Plate- oder Windowpane-Geometrien zur Verringerung von Voids.

4) Flächen- und Aspektverhältnis

  • Area Ratio (AR) = Öffnungsfläche / Wandfläche der Öffnung → empfohlen ≥ 0,66.
  • Aspect Ratio = Öffnungsbreite / Schablonendicke → empfohlen ≥ 1,5.

Zu geringe AR/Aspect-Werte führen häufig zu Pastenhaftung in der Öffnung und damit zu Unterdosierung.

SMT solder paste stencil with apertures aligned over PCB pads

Design-Kurzleitfaden:

FaktorEmpfehlung
MaterialEdelstahl für Standard, Nickel für Fine-Pitch
Dicke4–6 mil, abhängig von Pitch/Bauteilgröße
Apertur-Reduktion10–20 %
EckenAbgerundet
Area Ratio≥ 0,66
Aspect Ratio≥ 1,5

Druckparameter und ihre Wirkung

  • Rakelgeschwindigkeit: typ. 20–50 mm/s. Zu schnell → unvollständiges Füllen/Verschmieren; zu langsam → übermäßiger Druck/Abnutzung.
  • Rakeldruck: ca. 0,5–1,5 kg je 25 mm Rakelbreite. Zu hoch → Scooping/Schablonenschäden; zu niedrig → Paste bleibt auf der Schablone.
  • Rakelwinkel: 45–60°. Niedriger Winkel füllt besser, höherer wischt sauberer.
  • Snap-off/Separation: 0–0,5 mm (moderne Drucker meist Kontakt­druck).
  • Umgebungsbedingungen: 22–28 °C, 40–60 % r. F., hohe Sauberkeit.
  • Reinigungsintervall: alle 5–10 Leiterplatten (abhängig von Dichte/Paste) sowie mindestens nach jedem Lauf und vor der Einlagerung.

Häufige Druckfehler und Troubleshooting

FehlerbildMögliche UrsachenEmpfohlene Maßnahmen
Zu wenig PasteKleine Aperturen, geringe Area Ratio, ausgetrocknete PasteAperturen anpassen, AR ≥ 0,66 prüfen, frische Paste verwenden
BrückenbildungZu viel Paste, ungeeignete Aperturform, VersatzAperturen verkleinern, Ausrichtung prüfen, Rakeldruck optimieren
VerschmierenUnterkriechen, falscher Snap-off, zu viel PasteKontaktdruck verwenden, häufiger reinigen, Trennhub anpassen
VersatzUnzureichende Ausrichtung, verschlissene PassstifteAusrichtungssystem kalibrieren, Werkzeuge/Stifte ersetzen
AperturverstopfungTrockene/hochviskose Paste, seltenes ReinigenFrische Paste, Verweilzeit reduzieren, Reinigungsfrequenz erhöhen
Slumping (Pastenlaufen)Niedrige Viskosität, zu warme Umgebung22–28 °C halten, Paste korrekt lagern/konditionieren
Voids in PadsGroße Öffnungen, Lufteinschlüsse, schlechte FreigabeAperturen segmentieren (Windowpane), ggf. Step-Bereiche nutzen

Zusatztipps: SPI-Daten überwachen, in der Einrichtung alle 5–10 Leiterplatten Kontrollmessungen, FPY-Trends verfolgen, um Prozessdrift früh zu erkennen. Ohne SPI: optisch Höhe/Abdeckung/Kontur prüfen.

Reinigung und Wartung von Schablonen

Reinigungsverfahren

MethodeEinsatzfallHinweise
Manuelles WischenPrototypen/KleinserienFusselfreie Tücher, freigegebene Reiniger
UltraschallVerstopfte/Fine-Pitch-SchablonenSehr effektiv, schonende Handhabung nötig
Automatisches Unterseiten-WischenInline-HochvolumenKonstante Unterseitenreinigung
Offline-SprühreinigungChargenreinigung zwischen LäufenChemiekompatibilität mit Beschichtungen beachten

Empfohlene Frequenz: Inline alle 5–10 Drucke (fein/dicht), gründlich nach jedem Lauf und vor Einlagerung.

Lagerung/Handhabung: Flach lagern, Oberfläche nicht berühren, Staubschutz verwenden, eindeutige Kennzeichnung für Rückverfolgbarkeit.

Kurzcheck: Aperturen sauber, Rahmen/Gewebe intakt, Ebenheit i. O., trocken/sauber vor Lagerung.

Best Practices für hohe Ausbeute

Close-up of solder paste stencil printing on a PCB with squeegee blade
  • Fiducials & Stützstifte verwenden – genaue Ausrichtung sicherstellen, Leiterplatte gegen Durchbiegung abstützen.
  • Parameter standardisieren – Geschwindigkeit/Druck/Winkel festschreiben (MES/Drucker-Rezepte).
  • Pastenmanagement optimieren – Lagerung 2–10 °C, temperieren, homogenisieren.
  • Erstmusterprüfung (First Article) – mit SPI/Optik Abdeckung, Höhe, Lage prüfen, erst dann in Serie gehen.
  • Regelmäßig reinigen – Inline-Unterseitenwischungen und gründliche Offlinereinigung zwischen den Läufen.
  • Prozessstabilität überwachen – SPI-Volumen-KPIs, Defekte/Board, FPY.
  • Schulung & Audits – Bediener in Handhabung, Pastenvorbereitung, Setup trainieren; Prozesse regelmäßig auditieren.

FAQ (Häufige Fragen)

Wie wähle ich die richtige Schablonendicke?

Nach Pitch und Pad-Größe: Fine-Pitch (≤ 0,5 mm) meist 4–5 mil, größere Bauteile/Steckverbinder 6 mil oder mehr. Bei Mischbestückung Step-Schablonen einsetzen.

Kann eine Schablone für mehrere PCB-Designs genutzt werden?

Nicht empfohlen. Jedes Layout hat eigene Aperturgrößen und Ausrichtungen; Mehrfachnutzung führt häufig zu Versatz und inkonsistenten Depositionen.

Wodurch entsteht zu wenig Lötpaste?

Ungünstige Verhältniswerte (AR/Aspect), verstopfte Öffnungen, abgenutzte Rakel. Design prüfen, häufiger reinigen, Druck korrekt einstellen.

Wie oft sollte gereinigt werden?

Bei feinen/dichten Designs alle 5–10 Drucke; mindestens nach jedem Produktionslauf und vor der Einlagerung.

Ist manueller Druck für Prototypen geeignet?

Ja, für kleine Stückzahlen möglich, aber weniger reproduzierbar als (halb-)automatische Drucker. Für höhere Genauigkeit automatisieren.

Schlussfolgerung

Der Schablonendruck von Lötpaste beeinflusst Lötstellenqualität und Ausbeute direkt. Verlässliche Ergebnisse basieren auf gutem Schablonendesign, stabilen Druckparametern und konsequenter Reinigung/Wartung. Mit präziser Ausrichtung, kontrollierter Deposition und gepflegten Schablonen lassen sich Defekte minimieren und der First-Pass-Yield erhöhen. Da Designs kleiner und komplexer werden, bleibt die Optimierung des Schablonendrucks zentral für eine konsistente, hochwertige SMT-Montage.

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