Wenn du jemandem eine Visitenkarte gibst, die aufleuchtet, direkt zu deinem Portfolio verlinkt oder buchstäblich eine funktionierende Leiterplatte ist, vergisst dich niemand so schnell.
Die PCB-Visitenkarte ist die perfekte Verbindung aus Ingenieur-Know-how und persönlichem Branding. Ob Hobbyist, Ingenieur:in oder Maker – eine PCB-Karte verwandelt den ersten Eindruck in einen Gesprächsanlass.
Dieser Leitfaden zeigt dir alles Wichtige: Was eine PCB-Visitenkarte ist, wie NFC funktioniert, welche Layout- und Fertigungsentscheidungen anstehen, welche Kosten realistisch sind und wie du typische Fehler behebst.
Was ist eine PCB-Visitenkarte – und warum fällt sie auf?
Eine PCB-Visitenkarte ersetzt Papier durch Kupfer, Lötstoppmaske und Kreativität. Es ist eine echte Leiterplatte, die als Handshake deiner Marke dient – nur eben mit Schaltung.
Drei Grundtypen haben sich etabliert:
- Visuelle/künstlerische Karten – Fokus auf Design, Kupfermuster, geätzte Logos.
- Funktionale „Tool Cards“ – mit Messrastern, Gehäuse-Umrissen von Bauteilen, Pinout-Referenzen; inspiriert u. a. von Salvaged Circuitry.
- Interaktive/elektronische Karten – mit NFC-Chips, LEDs oder USB-Anschluss, damit Empfänger scannen, etwas aufleuchten lassen oder sogar interagieren können.
Du triffst sie auf Hackathons, Tech-Messen, im Bewerbungsgespräch oder als kreatives Giveaway. Sie kosten mehr als Papier – bieten aber Unverwechselbarkeit und Interaktivität, die Print nicht leisten kann.
Zwei Wege: Mit NFC oder ohne (so triffst du die Wahl)
Die wichtigste Design-Entscheidung steht am Anfang:
Willst du eine Touch-interaktive Karte oder ein einfaches, immer nützliches PCB-Werkzeug?
Route A – Interaktive NFC-Karte
Ein Antippen mit dem Smartphone öffnet sofort deine Website, dein LinkedIn-Profil oder Portfolio.
Verwendet werden Chips wie NT3H1101 oder NT3H1201 (NXP), die auf 13,56 MHz mit dem Handy kommunizieren.
Du programmierst sie per Android-App oder Writer-Tool. Nutze NDEF, damit iOS und Android zuverlässig lesen.
Da iPhones NFC an der Oberkante lesen, solltest du immer einen sichtbaren QR-Code als Fallback aufdrucken.
Route B – „Tool Card“ ohne NFC
Nicht jede Karte muss „smart“ sein. Viele Maker integrieren Widerstandsfarbcodes, SMD-Pad-Maße, Tabellen zu Leiterbahnbreite vs. Strom oder Millimeterskalen direkt auf die Karte.
Das ist immer lesbar, benötigt keinen Strom und dient als Referenzlineal – ideal für alle, die den praktischen Engineering-Look schätzen und NFC-Kompatibilitätsthemen vermeiden möchten.
Hybrid-Ideen
Beides kombinieren geht natürlich auch: NFC-Link + LEDs oder Referenz-Features – die All-in-one-Lösung.
NFC-Design: Grundlagen & typische Fehler
Wenn du den NFC-Weg gehst, zählen vor allem diese Punkte.
Chip-/Tag-Auswahl
NT3H1101 und NT3H1201 von NXP sind bewährte Kandidaten; sie unterscheiden sich primär in Speichergröße und Features (der 1201 unterstützt I²C für dynamische Updates).
Wichtig ist NDEF-Support für universelles Smartphone-Lesen. MIFARE Classic ist für Kontakt-Sharing weniger geeignet.
Antenne & Resonanzabgleich

NFC funktioniert über induktive Kopplung – die Loop-Antenne deiner Karte koppelt magnetisch an die Spule im Smartphone.
- Ziel-Frequenz: 13,56 MHz.
- Die Antenne wirkt als Induktivität (La) und bildet mit der internen Kapazität des Chips (CIC) sowie ggf. externer Kapazität (Ca) einen LC-Resonanzkreis.
- Ziel ist eine Resonanz nahe 13,56 MHz.
Starte mit etwa 2,5 µH und justiere Windungszahl, Leiterbahnbreite und -abstand. Praxisbeispiele zu Layout und Messung findest du in Instructables-Projekten.
Messen & Feinabstimmung
Mit VNA oder Impedanzanalysator prüfst du den Resonanzpeak.
Ist die Resonanz zu niedrig → Induktivität verringern (weniger Windungen).
Ist sie zu hoch → kleine Parallelkapazität ergänzen.
Halte Metallflächen und GND-Planes fern – selbst ein kupfergefülltes Logo kann detunen. Teste die Karte mit mehreren Smartphones und Hüllen; besonders iPhones haben kleinere „Sweet Spots“.
Energy Harvesting
Einige NFC-Chips gewinnen Energie aus dem RF-Feld – genug, um eine kleine LED beim Annähern des Handys blinken zu lassen. Dieser „ohne Batterie“-Effekt (u. a. bei Tindie-Karten) sorgt für den spontanen Wow-Moment.
Eine „Tool Card“ ohne NFC gestalten
Hier stehen Nutzwert und Lesbarkeit im Fokus.
Ein gutes Beispiel ist die PCB-Visitenkarte von Salvaged Circuitry, die gleichzeitig Referenzlineal ist.
Tipps:
- IC-Footprints, SMD-Pad-Größen, R/C-Skalen integrieren.
- Tabelle Leiterbahnbreite vs. Strom oder Via-Größen ergänzen.
- Für Klarheit hohe Kontraste bei Lötstopp/Bestückungsdruck wählen (schwarz/weiß oder umgekehrt).
- ENIG (Vergoldung) wirkt hochwertig und ist haltbarer als HASL.
Solche Mini-Tools liegen lange auf dem Labortisch – deine Marke bleibt sichtbar.
Engineering-Entscheidungen: So machen’s die Profis
Funktion, Haptik, Fertigbarkeit und Kosten müssen ausbalanciert werden.
Dicke & Haptik
- 0,6 mm: dünn, flexibel, portemonnaiefreundlich (häufig für NFC).
- 1,6 mm: stabil, „Board-Gefühl“, geeignet für USB-A-Kantenstecker.
Für USB-Demos bleib bei 1,6 mm – dünnere Boards wackeln oder verlieren Kontakt.
Oberflächenfinish

- ENIG (Electroless Nickel Immersion Gold): glatt, korrosionsfest, hervorragender Kontrast für Silkscreen und QR-Codes.
- HASL: günstiger, aber weniger plan – kleine Texte/QRs können leiden.
LEDs & Anzeige-Tricks
Bei vielen LEDs spart Charlieplexing IO-Pins (n × (n–1) LEDs mit n Pins), erfordert aber sauberes Timing/Refresh für gleichmäßige Helligkeit.
Marian beschreibt in seinem Blog kompakte LED-Animationen ohne Zusatz-ICs.
USB-A-Kantenkontakte
Manche Karten fungieren als USB-Stick. Mechanische Vorgaben:
1,6 mm ± 0,15 mm Dicke, 45°-Fase.
ENIG-Kontaktflächen erhöhen die Lebensdauer; notfalls hilft eine dünne Lötzinn-Aufdickung.

Von der Idee zur fertigen Karte: Schritt für Schritt
Schritt 1 – Ziel definieren
Beeindrucken, erklären oder demonstrieren?
Event-NFC-Karten unterscheiden sich von robusten Alltags-Tool-Karten. Lege Funktionen, Zeitplan und Budget fest.
Schritt 2 – Schaltplan & Layout
- Für NFC: freie Antennen-Zone, Abstand zu GND-Flächen.
- Für LED/USB: Strompfade planen, keine überlappenden Kupferflächen unter der Antenne.
- Enthalten sein sollten: Name/Titel/URL, kleiner QR-Fallback, gut lesbarer Silkscreen (Schrifthöhe ≥ 0,8 mm).
Schritt 3 – Fertigungsregeln (DFM)
- Min. Leiterbahnbreite: 4–6 mil
- Via-Durchmesser: ≥ 0,3 mm
- Lötstopp-Abstand: ca. 3 mil
- Abgerundete Ecken für die Hosentasche
Farbwahl & Finish früh festlegen – weiß wirkt edel, wird aber schneller schmutzig; schwarz kaschiert Fingerabdrücke, reduziert aber ggf. den Kontrast.
Schritt 4 – Bestückung & Programmierung
- SMD mit Lötpaste + Heißluft/Reflow, danach Flux gründlich reinigen.
- NFC-Speicher per Smartphone (z. B. NXP TagWriter) beschreiben.
- Auf Android und iPhone testen; Links/vCard als NDEF speichern.
Schritt 5 – Tests
- Lese-Distanz mit mehreren Telefonmodellen
- LED-Helligkeit/Muster-Konstanz
- QR-Lesbarkeit unter normalem Licht
- Dauerhaftigkeit: Reibung in der Tasche, Kratzer, Biegen
Kosten & Beschaffung
Die Kosten hängen von Features und Vorgehen ab:
| Option | Vorteile | Nachteile | Richtwert/Stück (Kleinserie) |
|---|---|---|---|
| DIY | volle Kontrolle, günstigste Teile | zeitintensiv, Rework-Risiko | 2–5 US-$ |
| Semi-Custom (z. B. Tindie) | getestetes NFC+LED, anpassbare URL | eingeschränkte Designfreiheit | 6–10 US-$ |
| Full Outsourcing | professionelles Finish, wenig Aufwand | höchste Kosten/MOQs | 10+ US-$ |
In Kleinstmengen dominieren Rüstkosten und ENIG. Ab 100+ Stück fällt der Preis oft unter 3 US-$ pro Karte – selbst mit NFC.
Unbedingt zuerst kleine Testcharge bestellen: Antennentuning, Silkscreen-Kontrast und QR-Funktion prüfen, danach skalieren.
Inspiration & Trends
Wie Hackaday zeigt, wächst die Vielfalt ständig:
- NFC + LED-Hybride – Logo leuchtet beim Antippen.
- Mini-Game-Cards – Pong/Tetris-Animationen auf µCs.
- Self-Booting-Résumé – USB-A-Karte, die Lebenslauf/GitHub öffnet.
- Funktionale Lineal-Karten – Messraster, Pinout-Spickzettel, Umrechnungstabellen.
- Zwei-Farb-Masks – Gold auf Schwarz (Premium), transparente Masken für Kupfer-Art.
Auch große Unternehmen lassen kleine Serien für Messen fertigen – nicht nur als Gag, sondern als echtes Differenzierungsmerkmal.
Häufige Probleme & Lösungen
- NFC-Reichweite zu gering/instabil:
Resonanz nicht bei 13,56 MHz, Metallstörungen, schlechtes Telefon-Alignment.
Lösung: Windungen/Kapazität anpassen, Abstand zu Kupferflächen erhöhen, mit mehreren Telefonen testen. - LEDs dunkel oder flackern:
Refresh-Rate zu niedrig, falsche Pull-Ups, zu wenig Strom.
Lösung: Charlieplexing-Timing optimieren, passende Widerstände wählen. - USB-A wird nicht erkannt:
Dicke/Fase außerhalb Toleranz, schlechte Kontaktierung.
Lösung: dünner Lötauftrag auf Pads oder ENIG verwenden; 1,6 mm-Spezifikation prüfen. - Silkscreen unscharf:
Schrift zu klein, HASL zu uneben.
Lösung: ENIG und Schrifthöhe ≥ 0,8 mm. - QR-Code schwer lesbar:
Geringer Kontrast/Reflexion.
Lösung: hoher Kontrast, matte Oberfläche, keine gebogenen Flächen.
Teste Variablen schrittweise – besonders beim NFC-Tuning verschieben kleinste Layout-Änderungen bereits die Resonanz.
Fazit
Eine PCB-Visitenkarte ist keine Spielerei, sondern ein greifbares Statement deiner Design-Philosophie.
Sie zeigt Liebe zum Detail, technisches Können und Kreativität – kompakt auf 3,5″ × 2″.
Für maximale Wirkung:
Wähle den passenden Weg (NFC vs. Tool Card), denke an Usability und Robustheit, prüfe Resonanz & Lesbarkeit vor der Serie – und lass jedes Kennenlernen mit einem Touch, Blink oder einer Prise Neugier beginnen.
Deine PCB-Karte ist mehr als Kontaktdaten – sie ist dein persönlicher Prototyp für Innovation.






