Einführung
Leiterplatten (PCBs) stellen in elektronischen Geräten sowohl die mechanische Basis als auch die elektrischen Leiterwege bereit. Wenn eine Leiterbahn bricht oder eine Leiterbahnunterbrechung (Open Circuit) auftritt, kann dies von sporadischen Fehlfunktionen bis zum kompletten Ausfall führen.
Häufige Ursachen sind mechanische Belastung, Wärme, elektrische Überlastung oder Korrosion. Die meisten Schäden sind lokal begrenzt und mit den richtigen Werkzeugen und Techniken reparierbar.
Dieser Leitfaden bietet praxisnahe Methoden, um beschädigte PCBs effizient und sicher zu diagnostizieren und zu reparieren.
Sie lernen, wie man:
- Anzeichen für Open Circuits und gebrochene Leiterbahnen erkennt
- Diagnosewerkzeuge zielgenau einsetzt
- wirksame, szenariobasierte Reparaturtechniken anwendet
- bewährte Sicherheitspraktiken während der Reparatur befolgt
Häufige Fehlertypen und Ursachen
Das Verständnis der Fehlertypen ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Reparatur. Besonders häufig in der Praxis: Open Circuits und gebrochene Kupferleiterbahnen.
Open Circuit – Definition und Merkmale
Ein Open Circuit liegt vor, wenn der elektrische Pfad zwischen zwei Punkten unterbrochen ist und kein Strom mehr fließen kann. Auf einer PCB kann dies eine gebrochene Leiterbahn, eine defekte Lötstelle oder eine interne Unterbrechung in einer Multilayer-Platine sein.
Typische Symptome eines Open Circuits:
- Vollständiger Signal- oder Spannungsverlust in bestimmten Bereichen der Platine
- Intermittierender Betrieb, der sich durch Biegen oder Antippen der Platine verändert
- Höhere als erwartete Widerstandswerte zwischen normalerweise verbundenen Punkten
Gebrochene Kupferleiterbahn
Eine gebrochene Leiterbahn ist eine physische Unterbrechung des leitfähigen Pfads. Sie kann auf der Oberfläche (sichtbar) oder in inneren Lagen (schwerer zu erkennen) auftreten. Oberflächenschäden zeigen sich oft als feine Risse, Brandstellen oder fehlende Kupferbereiche.
Häufige Ursachen für Open Circuits und Leiterbahnbrüche
- Mechanische Belastung: Übermäßiges Biegen, Vibrationen oder Stürze können Leiterbahnen oder Lötstellen reißen.
- Thermische Schäden: Überhitzung durch Bauteildefekte oder zu hohe Löttemperaturen kann Kupfer ablösen oder verbrennen.
- Elektrische Überlastung: Hohe Stromspitzen können Leiterbahnsegmente verdampfen und Lücken hinterlassen.
- Chemische Korrosion: Feuchtigkeit, Flussmittelrückstände oder aggressive Chemikalien zersetzen Kupfer mit der Zeit.
- Fertigungsmängel: Schlechte Lötungen, unzureichende Kupferdicke oder fehlerhafte Laminierung erzeugen Schwachstellen.
So identifizieren Sie Open Circuits oder gebrochene Leiterbahnen
Sichtprüfung
Beginnen Sie mit einer sorgfältigen Sichtkontrolle – sie ist der schnellste Weg, offensichtliche Probleme zu finden, bevor Messgeräte eingesetzt werden.
- Vergrößerung: Lupe oder Digitalkamera/Mikroskop zur Prüfung von Leiterbahnen, Pads und Lötstellen auf Risse, Brandspuren oder angehobenes Kupfer.
- Beleuchtung: Schräg einfallendes, helles Licht macht feine Unterbrechungen sichtbar.
- Worauf achten: Haarrisse im Kupfer, Verfärbungen (Hitzeschäden), fehlende Leiterbahnsegmente.

Durchgangsprüfung mit dem Multimeter
Im Kontinuitätsmodus lassen sich Open Circuits zuverlässig finden.
Vorgehen:
- Versorgung vollständig trennen.
- Messspitzen an zwei Punkten derselben Leiterbahn ansetzen.
- Piepen/geringer Widerstand = Durchgang; kein Piepen = Unterbrechung.
Vorteile: Schnell, zuverlässig für oberflächliche Fehler und zur Bestätigung von Sichtbefunden.
Signalverfolgung mit Oszilloskop oder Signalinjektor
Für komplexe Platinen oder intermittierende Fehler:
- Definiertes Signal an einem Ende der verdächtigen Leiterbahn einspeisen.
- Mit dem Oszilloskop entlang der Strecke messen, bis das Signal ausfällt – der Bruch liegt zwischen der letzten guten und der ersten schlechten Messstelle.
- Besonders nützlich bei Hochfrequenzleitungen, bei denen reine Durchgangstests Teilbrüche oder Impedanzsprünge übersehen.
Thermografie zur indirekten Erkennung
Eine Wärmebildkamera oder ein IR-Thermometer kann anomale Temperaturmuster zeigen: Bauteile werden unerwartet heiß oder bleiben kühler als auf einer Referenzplatine.
Schaltplan- und Layout-Referenzen nutzen
Wenn verfügbar, beschleunigen Schaltplan und Layoutdateien die Fehlersuche: Messpunkte Netznamen zuordnen und alternative Testpunkte identifizieren.
Sicherheitsmaßnahmen und benötigte Werkzeuge vor der Reparatur
Sicherheitsmaßnahmen
- Stromlos schalten: Alle Versorgungen trennen; Kondensatoren können Energie speichern.
- Kondensatoren entladen: Mit Widerstand oder Entladewerkzeug – niemals kurzschließen.
- ESD-Schutz: Handgelenkband, antistatische Matte, geerdeter Arbeitsplatz.
- Lüftung/Dämpfe: Lötdämpfe absaugen oder gut lüften.
- Brandschutz: Geeigneten Feuerlöscher bereithalten; Heißluft/Kolben nie unbeaufsichtigt.
Unverzichtbare Werkzeuge
Handwerkzeuge: Temperaturgeregelter Lötkolben mit feiner Spitze, Heißluft-Reworkstation, ESD-Pinzetten, feine Seitenschneider/Abisolierer.
Messtechnik: Digitalmultimeter (Kontinuität, Niedrigohm), Oszilloskop, Vergrößerungshilfen.
Reparaturmaterial: Feinadriger Draht (z. B. 30 AWG Wickeldraht oder lackisolierter Kupferdraht), Lötzinn & Flussmittel (bleifrei/bleihaltig je nach Vorgabe), Kapton-Band, leitfähige Silberfarbe oder leitfähiger Kleber.
Optional: PCB-Haltehilfe/Schraubstock, Wärmebildkamera, Isopropanol & Reinigungsbürsten.
Reparaturmethoden für Open Circuits und gebrochene Leiterbahnen
Drahtbrücke (Jumper-/Fly-Wire-Methode)

Geeignet für: Lange Unterbrechungen, interne Lagenfehler bei Multilayer, stromstarke Pfade.
Material: Fein isolierter Draht (30 AWG o. Lackdraht), Lötzinn/Flussmittel, Kapton zum Fixieren.
Ablauf:
- Lötbare Punkte an beiden Enden der Unterbrechung bestimmen.
- Oberfläche vorbereiten (Lötstoppmaske lokal abkratzen) oder vorhandene Pads/Vias nutzen.
- Punkte verzinnen.
- Draht an Punkt 1 anlöten, sauber verlegen, an Punkt 2 anlöten.
- Draht mit Kapton fixieren/schützen.
Vorteile: Sehr robust, überbrückt verdeckte Fehler.
Grenzen: Optisch weniger ansprechend; erfordert sauberes Mikrolöten.
Lötbrücke
Geeignet für: Sehr kurze Unterbrechungen auf Oberflächenleiterbahnen.
Material: Feiner Lötkolben, Flussmittel, Lötzinn.
Ablauf: Reinigen, Lötstopp an beiden Seiten freilegen, Flussmittel aufbringen, Zinn zu einer glänzenden Brücke verlaufen lassen.
Vorteile: Schnell, wenige Materialien.
Grenzen: Nicht für hohe Ströme; Kurzschlussgefahr bei zu viel Zinn.
Leitfähige Tinte / leitfähiger Kleber
Geeignet für: Wärmeempfindliche PCBs/Bauteile oder wenn Löten unpraktisch ist.
Material: Leitfähige Silberfarbe oder leitfähiges Epoxid, feine Applikatorspitze, optional Schutzlack.
Ablauf: Stelle reinigen, Material fein dosiert auftragen, gemäß Hersteller härten/trocknen, anschließend isolierend schützen.
Vorteile: Keine Wärmebelastung, auch für flexible Platinen.
Grenzen: Geringere Leitfähigkeit als Kupfer/Lot; mechanisch weniger dauerhaft.
Kupferfolie ersetzen
Geeignet für: Größere fehlende Kupferflächen, verbrannte/abgehobene Leiterbahnen.
Material: Dünnes selbstklebendes Kupferband oder zugeschnittene Kupferfolie, Lötwerkzeug oder leitfähiger Kleber, Schutzlack (Lötstopp/Harz).
Ablauf: Folie passgenau zuschneiden, aufbringen/verkleben, für guten elektrischen Kontakt verlöten (falls möglich), anschließend schützen.
Vorteile: Stellt ursprüngliche Breite/Stromtragfähigkeit wieder her; professionelles Ergebnis bei präziser Arbeit.
Grenzen: Erfordert genaue Anpassung; Kleber kann altern.
Besonderheiten bei Multilayer-PCBs
Herausforderung: Brüche in inneren Lagen sind unsichtbar und nicht direkt zugänglich.
Lösungen:
- Jumper-Draht auf Außenlage zur Umgehung des internen Bruchs.
- Via-zu-Via-Verdrahtung zwischen zugänglichen Durchkontaktierungen.
- Bauteilpins als Zwischenknoten nutzen.
Tests und Schutz nach der Reparatur

Elektrische Prüfungen
- Durchgang: Mit dem Multimeter zwischen den ursprünglichen Endpunkten prüfen (Piepen/nahe null Ohm).
- Widerstand: Genauere Prüfung, v. a. bei stromstarken Bahnen; mit intakter Referenzbahn vergleichen.
- Einschaltprüfung: Versorgung anlegen, Startverhalten und Messpunkte mit Referenz/Schaltplan vergleichen.
Funktionstests
- Bauteilebene: Leuchten LEDs, laufen Motoren, erhalten ICs korrekte Versorgung?
- Stresstest: Platine leicht biegen oder moderat erwärmen (Warmluft), um intermittierende Fehler aufzudecken.
Schutzmaßnahmen
- Isolationsbeschichtung: Konforme Beschichtung oder UV-Lötstopp über freiliegendem Kupfer/Jumpern.
- Mechanische Entlastung: Jumper mit Kapton oder kleinem Epoxidpunkt fixieren.
- Umweltschutz: In feuchten/korrosiven Umgebungen Vollbeschichtung oder abgedichtetes Gehäuse nutzen.
Praxis-Tipp: Reparaturen mit Fotos und Notizen dokumentieren – besonders hilfreich bei Produktionstestsystemen und Industrieanlagen.
Vorbeugende Maßnahmen zur Lebensdauerverlängerung von PCBs
| Maßnahme | Kernaktionen | Nutzen |
|---|---|---|
| Elektrische Überlastung vermeiden | Leiterbahnbreite auf Strom auslegen; Sicherungen/Leistungsschalter einsetzen; defekte Bauteile frühzeitig ersetzen | Verhindert Leiterbahnbrand und Bauteilschäden |
| Betriebsumgebung kontrollieren | Platinen trocken/staubfrei halten; konforme Beschichtung in feuchten/chemischen Umgebungen; extreme Hitze/ direkte Sonne vermeiden | Reduziert Korrosion, Oxidation und thermischen Stress |
| Hochwertige Materialien/Komponenten verwenden | Ausreichende Kupferdicke; hochwertiges Lot & Flussmittel; keine Billig-/Fake-Teile | Höhere Zuverlässigkeit, weniger Frühausfälle |
| Sorgfältige Handhabung | ESD-Schutz; PCB nicht biegen/verdrehen; große Platinen abstützen | Verhindert mechanische Schäden und ESD-Ausfälle |
| Regelmäßige Inspektionen | Hochbelastete Bereiche auf Risse/Verfärbungen prüfen; kritische Platinen periodisch überwachen | Erkennt Probleme frühzeitig vor Systemausfällen |
Schlussfolgerung
Die Reparatur einer Leiterbahnunterbrechung oder gebrochenen Kupferleiterbahn wirkt zunächst anspruchsvoll, ist mit Wissen, Werkzeug und Geduld jedoch gut beherrschbar – für Enthusiasten, Techniker und Ingenieure gleichermaßen.
Von der präzisen Fehlerlokalisierung bis zur passenden Methode – ob Jumper-Draht, Lötbrücke, leitfähige Tinte oder Kupferfolie – trägt jeder Schritt zur vollständigen Wiederherstellung der Funktion bei. Ebenso wichtig sind Nachtests und Prävention: Sie sichern die Zuverlässigkeit der Reparatur und senken das Risiko künftiger Ausfälle.
Ob seltene Vintage-Platine, Produktionsanlage oder kritisches Gerät – diese Techniken helfen, Leistung zu retten und teure Ersatzbeschaffungen zu vermeiden. Mit Übung bringen Sie Elektronik nicht nur zurück ins Leben, sondern lösen Probleme, die andere für unlösbar halten.






