Eigene mechanische Tastaturen zu bauen oder zu modden war noch nie so einfach – Hot-Swappable-PCBs sind der Grund dafür.
Wenn du verschiedene Schaltertypen ausprobieren möchtest, ohne jemals einen Lötkolben anzufassen, ist eine Hot-Swap-Leiterplatte dein bester Freund.
In diesem Leitfaden erfährst du, was ein Hot-Swap-PCB ist, wie es sich von gelöteten Platinen unterscheidet, welche Kompatibilitätschecks vor dem Kauf wichtig sind und wie du die Platine richtig montierst und wartest.
Was ist ein Hot-Swappable-PCB?
Ein Hot-Swappable-PCB (auch Hot-Swap PCB oder Hot-Swap Keyboard PCB) ist eine Leiterplatte, auf der du mechanische Schalter ohne Löten einsetzen und wieder entfernen kannst.
Statt jeden Schalterpin direkt auf die Leiterplatte zu löten, nutzt die Platine Metallsockel – meist von Kailh oder Outemu –, die beim Eindrücken des Schalters den elektrischen Kontakt herstellen.

Jeder Sockel besitzt federnde Kontakte, die die Pins greifen und sicher halten. So kannst du Schalter jederzeit tauschen.
Hot-Swap-PCBs eignen sich ideal für alle, die ihr Tippgefühl ohne Entlöten anpassen möchten.
Hot-Swap vs. gelötet: die wichtigsten Unterschiede
| Kriterium | Hot-Swappable PCB | Gelötetes PCB |
|---|---|---|
| Montage | Plug-and-Play, kein Löten | Löten und ggf. Entlöten nötig |
| Schaltertausch | Schnell, werkzeugarm | Entlöten erfordert Werkzeug & Übung |
| Stabilität | Etwas weniger steif durch Sockel | Sehr robust, dauerhafte Verbindung |
| Layout-Flexibilität | Meist festes Layout | Unterstützt exotische/Custom-Layouts |
| Kosten | Tendenziell höher | Oft günstiger |
| Wartung | Einzelschalter leicht austauschbar | Aufwendiger, teils Komplett-Rework |
| Fehlerbilder | Lockerer Sockel, abgerissenes Pad | Kalte Lötstelle, Pad-Lift |
| Geeignet für | Einsteiger, Modder, Tester | Erfahrene Builder, Performance-Fokus |
Kurz gesagt:
- Hot-Swap ist perfekt, wenn du oft Schalter wechselst, Klang/Feel testest oder einfach bauen willst.
- Gelötete PCBs sind erste Wahl für maximale Stabilität, Flexibilität und langfristige Zuverlässigkeit.
Kompatibilität & Grenzen: 5 Checks vor dem Kauf
Bevor du die nächste Hot-Swap-Platine bestellst, prüfe diese Punkte – sie entscheiden, ob dein Build wirklich zusammenpasst.
1) 3-Pin vs. 5-Pin-Schalter
Die meisten Sockel akzeptieren 3-Pin-Schalter (ohne Kunststoff-Stützfüße).
Wenn du 5-Pin bevorzugst, muss die Platine das unterstützen – sonst musst du die beiden Kunststofffüße bündig abknipsen. 5-Pin sitzt stabiler und wackelt weniger.
2) LED-Ausrichtung: South vs. North
Die LED-Richtung beeinflusst Optik und Keycap-Kompatibilität:
South-Facing (südlich) minimiert Kollisionen mit Cherry-Profilen und wirkt dezenter; North-Facing (nördlich) ist heller, kann aber mit manchen Keycaps anstoßen.
Prüfe die Ausrichtung deiner Platine und wähle entsprechend.
3) Layout-Optionen
Hot-Swap-PCBs haben meist fixe Layouts – freies Wechseln zwischen ISO/ANSI, gesplittete Spacebars oder „Stepped Caps Lock“ sind oft eingeschränkt.
Maximale Layout-Freiheit bieten weiterhin lötbare PCBs.
4) Plate-Typ und Material
Kombiniere Hot-Swap-PCBs immer mit Full-Plate, nicht mit Half-Plate.
Half-Plates lassen einzelne Schalter ungestützt – das erhöht das Risiko von Sockelschäden oder verbogenen Pins beim Eindrücken.
Aluminium, Stahl und Polycarbonat funktionieren gut; wichtig ist gleichmäßige Unterstützung.
5) Firmware-Kompatibilität
Bevorzuge PCBs mit QMK oder VIA. Damit lässt sich das Layout bequem remappen, Beleuchtung steuern und Makros einrichten – auch ohne Programmierkenntnisse.
Montage & Pflege: Schritt-für-Schritt
Hot-Swap ist anfängerfreundlich, aber unsaubere Montage kann den Sockel zerstören. So gehst du sicher vor.

Werkzeuge
- Switch-Puller & Keycap-Puller
- Weiche Desk-Mat oder Mousepad als Unterlage
- Antistatik-Armband (optional, sinnvoll)
- Pinzette zum Richten verbogener Pins
Schritte
- Pins prüfen – Metallbeine müssen gerade & sauber sein.
- PCB abstützen – immer auf weicher Unterlage oder mit montierter Plate arbeiten.
- Senkrecht einsetzen – nicht verkanten. Mit den Ecken beginnen, dann zur Mitte vorarbeiten.
- Sitz kontrollieren – der Schalter sollte gleichmäßig einrasten. Bei Widerstand neu ausrichten.
- Schonend entfernen – erst Keycap abziehen, dann den Schalter gerade herausziehen, um den Sockel nicht anzuheben.
- Vor Nutzung testen – PCB anschließen und alle Tasten mit VIA oder einem Online-Tester prüfen.
Pflege
- Regelmäßig mit Druckluft/Soft-Brush reinigen.
- Keine Gewalt: Sockel sind meist für 100–200 Steckzyklen ausgelegt.
- Bei Wacklern/Deadkeys: Pins & Sockel prüfen, nicht sofort die Platine ersetzen.
Engineering-Sicht: Warum Hot-Swap nicht „gratis“ ist
Aus Fertigungssicht tauscht Hot-Swap Komfort gegen Kompromisse:
Jeder Sockel braucht Board-Fläche und Bauhöhe. Das erschwert Leiterbahnführung, LED-Positionen und Stabi-Aussparungen und erhöht Material- sowie Lötaufwand – ergo etwas höhere Kosten.
Trotz sauberer Plate-Ausrichtung und 5-Pin-Schaltern können schräges Einsetzen oder zu hoher Druck Sockel/Pads beschädigen.
Darum sind Half-Plates für Hot-Swap nicht zu empfehlen: ungestützte Switches erhöhen die Belastung auf die Lötstellen der Sockel erheblich.

Gelötetes PCB zu Hot-Swap umrüsten – lohnt sich das?
Theoretisch ja, praktisch selten sinnvoll ohne Erfahrung.
Man kann Hot-Swap-Sockel nachrüsten, aber die Ausrichtung muss auf Zehntel-Millimeter stimmen. Schon geringe Abweichungen führen zu schlecht sitzenden Schaltern oder Wackelkontakten.
Zudem fehlen manchen PCBs Bohrungsdurchmesser/Abstände für die Sockelgehäuse; auch LED-Positionen können stören.
Für die meisten Nutzer ist eine fertige Hot-Swap-Platine schlicht schneller und günstiger.
Die richtige Hot-Swap-Platine wählen
1) Einsteiger & Office
Achte auf:
- Gängige Größen 60/65/75 % oder TKL
- South-Facing LEDs für Keycap-Kompatibilität
- VIA/QMK-Support
- Full-Plate für Stabilität
Damit testest du Schalter sicher und leise – ohne Spezialwerkzeug.
2) Enthusiasten & Modder
Wer außergewöhnliche Layouts oder extremen Sound-Feinschliff sucht, greift oft weiter zu gelöteten PCBs – mehr Freiheit für Split-Space, Stepped Caps oder invertierte Stabis.
Viele halten zwei Boards: Hot-Swap zum Testen/Alltag, gelötet fürs „Endgame“.
3) Mobil/Travel-Keyboards
Setze auf Steifigkeit & Robustheit:
- 5-Pin-Support
- Full-Plate (Alu/Stahl)
- Keine dünnen Low-Profile-/Half-Plates, die sich unter Druck durchbiegen
Häufige Fragen (FAQ)
1) Wackeln Hot-Swap-Schalter?
Bei gutem Design nein. Wackeln deutet meist auf Plate-/Sockel-Ausrichtung hin.
2) 3-Pin auf 5-Pin-Board – geht das (und umgekehrt)?
Ja. 3-Pin passt in 5-Pin-Sockel. Andersherum musst du die zwei Kunststofffüße des 5-Pin bündig kürzen.
3) Beeinflusst Hot-Swap den Klang?
Leicht. Die zusätzliche Sockelschicht kann – abhängig von Plate/Case – dämpfen oder brillanter wirken. Meist ist der Unterschied gering.
4) Sind South-Facing-LEDs wichtig?
Ja – sie vermeiden Keycap-Kollisionen (Cherry-Profil) und sorgen für sauberere RGB-Optik.
Fazit
Hot-Swappable-PCBs machen Tastatur-Customization für alle zugänglich: kein Löten, schnelleres Experimentieren, mehr Kreativität.
Sie sind jedoch kein Allheilmittel. Wer absolute Steifigkeit oder ausgefallene Layouts plant, fährt mit gelöteten Platinen weiterhin besser.
Merksatz:
- Hot-Swap für Bequemlichkeit, schnelle Switch-Wechsel und Spaß am Ausprobieren.
- Gelötet für maximale Haltbarkeit, Layout-Freiheit und professionelle Builds.





