FR-4 für bleifreies Löten erklärt: Hochfrequentes Dk/Df für bleifreies Löten

Table 6.8 electrical properties of lead-free FR-4 vs DICY FR-4 at 2/5 GHz
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Da bleifreies Löten zum weltweiten Standard wird, stehen klassische FR-4-Materialien vor neuen thermischen und Zuverlässigkeits­anforderungen. Um höhere Reflow-Temperaturen zu verkraften, sind die meisten Leiterplattenlaminathersteller von Dicyandiamid-(DICY-)Härtungssystemen auf phenolische oder alternative Härter umgestiegen. Diese neuen Lead-Free-FR-4-Materialien verändern nicht nur das thermische Verhalten, sondern beeinflussen auch die dielektrischen Eigenschaften – insbesondere bei hohen Frequenzen.

Dieser technische Beitrag zeigt, wie Härtungssysteme die elektrischen Eigenschaften von Lead-Free FR-4 beeinflussen, vergleicht DICY-gehärtete, phenolisch gehärtete und modifizierte nicht-DICY/nicht-phenolische Laminate und betrachtet deren Verhalten in High-Speed- und RF-Anwendungen.

Der Wechsel der Härtungssysteme bei Lead-Free FR-4

  • DICY-gehärtete Epoxid­systeme (klassisch): Bieten eine niedrige Dielektrizitätskonstante (Dk) und einen niedrigen Verlustfaktor (Df) – ideal für die Signalintegrität.
  • Phenolisch gehärtete Systeme: Gewähren bessere thermische Stabilität und Delaminations­beständigkeit, zeigen jedoch höhere dielektrische Verluste bei hohen Frequenzen.
  • Modifizierte Systeme (nicht-DICY / nicht phenolisch): Entwickelt, um hohe Tg mit ausgezeichnetem Hochfrequenz-Verhalten zu kombinieren und bleifreies Löten sicher zu unterstützen.

Obwohl phenolisch gehärtete Systeme die thermischen Anforderungen des bleifreien Lötens erfüllen, führt die andere Harzchemie typischerweise zu höheren Df-Werten als bei DICY-basierten Materialien. Bei niedrigen Frequenzen ist der Unterschied gering – steigt die Betriebsfrequenz in den GHz-Bereich, wirken sich diese Abweichungen deutlich auf Mismatch-/Impedanzkontrolle und Signalintegrität aus.

Vergleich der elektrischen Eigenschaften

Tabelle 6.8 vergleicht fünf FR-4-Laminate:

  • A, C: Traditionelles FR-4, DICY-gehärtet
  • B, D: Phenolisch gehärtetes, lead-free-taugliches FR-4
  • E: Modifiziertes Lead-Free FR-4 (nicht-DICY/nicht phenolisch)
Table 6.8 electrical properties of lead-free FR-4 vs DICY FR-4 at 2/5 GHz

Bei identischen Prüfmethoden und Harzgehalten zeigen die Ergebnisse:

  • Phenolisch gehärtete FR-4-Materialien besitzen bei hohen Frequenzen höhere Df-Werte als DICY-gehärtete.
  • Material E erreicht gleiche oder bessere thermische Leistungsfähigkeit als phenolische FR-4 und gleichzeitig niedrigere Dk- und Df-Werte – sogar besser als traditionelles DICY-FR-4.
  • Optimierte Harzsysteme können somit exzellente thermische Zuverlässigkeit mit verbesserten dielektrischen Eigenschaften in Lead-Free FR-4 vereinen.

Da Dk/Df je nach Messmethode, Harzgehalt und Verstärkung (Glasgewebe) variieren, ist der relative Trend in Tabelle 6.8 aussagekräftiger als absolute Zahlen.

Hochfrequenz-Verhalten von Dk und Df

Messungen mit getrenntem Hohlraum-Resonator zeigen bei hohen Frequenzen klare Tendenzen:

  • Lead-Free FR-4 mit phenolischer Härtung weist über mehrere GHz höhere Dk- und Df-Werte auf als DICY-FR-4 mit hohem Tg.
  • Phenolisch gehärtete Systeme zeigen eine breite Df-Streubreite, was auf eine stärkere Abhängigkeit von der Harzformulierung hinweist.
  • Nicht-DICY/nicht-phenolische Materialien liefern niedrigere und stabilere Df-Werte bei leicht reduziertem Dk – ideal für High-Speed- und RF-Designs, die bleifreies Löten erfordern.
Figure 6.30 Df vs frequency for lead-free FR-4 materials

Kurz: Mit zunehmender Frequenz werden selbst kleine Unterschiede in Dk/Df kritisch für Impedanzgenauigkeit, Signaldämpfung und EMV.

Figure 6.31 Dk vs frequency for lead-free FR-4 materials

Einfluss von Harzgehalt und Rezeptur auf Dk

Tabelle 6.9 führt Dk-Daten (2–5 GHz) für ein phenolisch gehärtetes FR-4 mit unterschiedlichen Harzgehalten und Rezepturen auf. Kernaussagen:

  • Höherer Harzgehalt senkt in der Regel das Gesamt-Dk, da Epoxidharz eine geringere Dielektrizitätskonstante als Glasfasern hat.
  • Verschiedene Harzrezepturen verursachen messbare Dk-Abweichungen (Einfluss von Vernetzungs­dichte und Polymerstruktur).
  • Für präzise Impedanzmodellierung müssen Entwickler mit gepressten Lagenaufbauten arbeiten – also realer Harzverteilung und Glasgewebe – statt nur mit Datenblatt-Nennwerten.

Verlustverhalten (Df) phenolischer FR-4

Tables 6.9–6.10 Dk/Df data for phenolic-cured lead-free FR-4 at 2 and 5 GHz

Tabelle 6.10 zeigt Df (2–5 GHz) für dieselben phenolischen Rezepturen:

  • Df steigt mit der Frequenz leicht an.
  • Änderungen des Harzgehalts führen zu spürbaren Df-Verschiebungen, was die Rolle der mikroskopischen Harzstruktur bei Polarisationsverlusten belegt.
  • Für DDR5, PCIe Gen5/6 oder 5-GHz-WLAN ist die Wahl eines Lead-Free FR-4 mit niedrigem Df entscheidend, um Signalhub und Augenöffnungen zu erhalten.

Nicht-DICY/nicht-phenolische Materialien bei 10 GHz

Tabellen 6.11 und 6.12 fassen Daten modifizierter nicht-DICY/nicht-phenolischer Materialien bei 10 GHz zusammen:

  • Die Laminate halten niedrige, stabile Df-Werte und ein konstantes Dk auch bei sehr hohen Frequenzen.
  • Gegenüber konventionellem FR-4 mit hohem Tg bieten sie geringere Signaldämpfung und präzisere Phasenkontrolle.
  • Ideal für 5G-Basisstationen, Automobil-Radar und Hochgeschwindigkeits-Rechnerboards im bleifreien Lötprozess.
Tables 6.11–6.12 Dk/Df data for non-DICY/non-phenolic lead-free FR-4 up to 10 GHz

Wichtigste Erkenntnisse & Design-Leitlinien

Das Härtungssystem bestimmt das elektrische Verhalten

  • Phenolisch gehärtete Materialien sind thermisch robust, jedoch mit höherem Df.
  • Modifizierte, nicht-DICY/nicht-phenolische Systeme balancieren Wärmebeständigkeit und elektrische Performance für Lead-Free FR-4.

Hochfrequenz verstärkt Unterschiede

  • Über 2 GHz beeinflussen selbst kleine Änderungen in Dk/Df Impedanz und Dämpfung deutlich.

Konstante Prüfbedingungen sind essenziell

  • Materialien nur unter gleichen Methoden und Harzgehalten vergleichen. Auf Trends statt auf absolute Zahlen achten.

Mit Materiallieferanten zusammenarbeiten

  • Frequenzabhängige Dk/Df-Kurven für den gepressten Stackup anfordern, um SI-Simulationen realistisch zu halten.

Fazit

Der Umstieg auf bleifreies Löten hat die Chemie von FR-4-Laminaten neu definiert. Moderne Lead-Free FR-4 sind keine Einheitsmaterialien mehr – sie unterscheiden sich deutlich in Harzsystem, dielektrischer Stabilität und Hochfrequenzverlusten.

Der Trend ist klar: hin zu FR-4 mit hohem Tg und niedrigem Df, das bleifreies Löten unterstützt. Modifizierte nicht-DICY/nicht-phenolische Laminate bilden die nächste Generation – sie kombinieren die thermische Belastbarkeit für bleifreies Reflow mit der elektrischen Spitzenleistung, die heutige Multi-Gigabit-Designs verlangen.

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