Gedruckte Leiterplatten (Printed Circuit Boards, PCBs) gibt es in vielen Ausführungen – abhängig von Aufbau, Material und Einsatzgebiet.
Von den einfachsten einseitigen Platinen bis hin zu hochentwickelten Backplanes und Starrflex-Schaltungen unterscheiden sich die PCB-Typen in Kosten, Zuverlässigkeit, Verdrahtungsdichte und Fertigungskomplexität.
Dieser Leitfaden erklärt die gebräuchlichsten Arten von Leiterplatten, ihren Aufbau und die typischen Einsatzfälle.
Einseitige und zweiseitige Leiterplatten
1. Einseitige Leiterplatte (Single-Sided PCB)
Eine einseitige Leiterplatte besitzt leitfähige Kupferbahnen nur auf einer Seite; die andere Seite besteht in der Regel aus einem isolierenden Substrat.
Sie ist die einfachste und wirtschaftlichste PCB-Variante.
Wesentliche Merkmale:
- Geringe Verdrahtungsdichte
- Einfache Fertigungsprozesse
- Sehr niedrige Kosten
- Begrenzte Funktionalität – für komplexe Schaltungen ungeeignet
Da alle Leiterzüge auf einer einzigen Fläche liegen, sind die Routing-Möglichkeiten eingeschränkt. Einseitige PCBs eignen sich daher für einfache Schaltungen mit wenigen Bauteilen.
Typische Anwendungen:
- Einfache Konsumelektronik
- Günstige Haushaltsgeräte
- Einfache Steuerungen

2. Zweiseitige Leiterplatte (Double-Sided PCB)
Eine zweiseitige Leiterplatte besitzt Kupferschichten auf beiden Seiten; Leiterzüge und Bauteile können auf Ober- und Unterseite platziert werden.
Die elektrische Verbindung zwischen beiden Seiten erfolgt über durchkontaktierte Bohrungen (PTH) bzw. Vias.
Wesentliche Merkmale:
- Höhere Verdrahtungsdichte als bei einseitigen Platinen
- Bestückung auf beiden Seiten möglich
- Moderate Kosten
- Ideal für Schaltungen mittlerer Komplexität
Häufige Materialien:
- Papier-/Harz-Basismaterial für Konsumelektronik
- Verlustarme PTFE-Lamine (Teflon) für HF- und Mikrowellen-Schaltungen
Typische Anwendungen:
- Konsumelektronik
- Fahrzeugelektronik
- HF- und Mikrowellensysteme
Einseitige und zweiseitige Leiterplatten sind für Massenprodukte die kosteneffizientesten PCB-Typen.
Mehrlagige Leiterplatte (Multilayer PCB)
Eine mehrlagige Leiterplatte enthält mehr als zwei Kupferschichten – typischerweise drei oder mehr – die unter Hitze und Druck miteinander verpresst werden.
Strukturelle Eigenschaften:
- Innenlagen sind über durchkontaktierte Vias verbunden
- Außenlagen dienen der Signal- oder Stromverteilung
- Durchgehende Versorgungs- und Masseflächen zur Rauschunterdrückung
Mehrlagen-PCBs verbessern Signalintegrität (SI), Power-Integrität (PI) und EMV-Verhalten (EMI/EMV) – und sind damit essenziell für hochdichte, hochschnelle Elektronik.
Übliche Lagenzahlen:
- 3 bis 50 Lagen – je nach Systemkomplexität
Materialaufbau:
- Glasfasergewebe, verstärkt mit Epoxid oder anderen Harzsystemen
- Bietet hohe thermische Stabilität, kontrollierte Dielektrizitätskonstante und chemische Beständigkeit
Typische Anwendungen:
- PCs und Server
- Netzwerk- und Kommunikationstechnik
- Hochgeschwindigkeits-Digitalsysteme
- Supercomputer
Die meisten komplexen Digitalsysteme setzen aus Leistungs- und Platzgründen auf mehrlagige PCBs.
Diskrete Verdrahtung / Multiwire-Leiterplatte
Die Multiwire- bzw. Leiterplatte mit diskreter Verdrahtung ist aus der Multilayer-Technik hervorgegangen und ersetzt geätzte Signallagen durch individuell geführte Drahtleiter.
Fertigung – Überblick:
- Leistungs-/Versorgungsebenen werden auf beiden Substratseiten geätzt.
- Halbgehärtete, klebende Prepregs werden beidseitig laminiert.
- Diskrete Drähte/Leiter werden gemäß Layout in die Klebeschichten eingebettet bzw. eingewalzt.
- Eine zweite Laminatschicht wird aufgebracht; anschließend Verpressen, Bohren und Endbearbeitung wie bei einer Standard-Multilayer-Platine.
Kerneigenschaften:
- Elektrisch mit Multilayer-PCBs vergleichbar
- Signallagen werden durch Drahtlagen ersetzt
- Geeignet für hochdichte Verdrahtung mit hohen Isolationsanforderungen
Die Auslegung erfordert spezialisierte CAD-Werkzeuge zur exakten Drahtpfad-Generierung. Das Verfahren erlaubt flexibles Routing und schnelle Designänderungen, ist jedoch für die Serienfertigung weniger praktikabel (höhere Komplexität und Kosten).
Bewertung:
- Prototyping: kurze Durchlaufzeiten, geringe Werkzeugkosten
- Serie: klassische Multilayer-PCBs sind wirtschaftlicher und konsistenter herzustellen
Hybride Leiterplatten (Hybrid Circuit Boards)
Hybride Leiterplatten kombinieren keramische Substrate mit gedruckten Widerständen und SMD-Bauteilen und schlagen so die Brücke zwischen PCB- und Dickschicht-Technologie.
Typischer Aufbau:
- Keramikbasis ein- oder zweiseitig
- Oberflächenmontierte aktive Bauteile
- Widerstandsnetzwerke mittels Metallpasten gedruckt
Vorteile:
- Kompakte Bauform
- Hervorragende thermische und dimensionsstabile Eigenschaften
- Hohe Zuverlässigkeit für Miniatur-Designs
Typische Anwendungen:
- Hörgeräte
- Miniaturisierte Medizingeräte
- Spezialisierte, kompakte Elektronik
Flexible Leiterplatte (Flexible PCB, FPC)

Flexible Leiterplatten entstehen durch Laminieren von Kupferfolie auf ein flexibles Substrat wie Polyimid (PI) oder Aramidfaser-Folien.
Sie lassen sich biegen, falten oder verdrehen – bei durchgängiger elektrischer Verbindung.
Strukturelle Merkmale:
- Als ein-, zwei- oder mehrlagige Ausführung erhältlich
- Ersatz für klassische Kabelbäume
- Geringes Gewicht und platzsparend
Vorteile:
- Weniger Steckverbinder und Verbindungsfehler
- Geringerer Montageaufwand / mehr Bauraum
- Bessere mechanische Flexibilität und Zuverlässigkeit
Typische Anwendungen:
- Kameras
- Drucker und Laufwerke
- Luft- und Raumfahrt-Elektronik
- Videorekorder
Starrflex-Leiterplatte (Rigid-Flex PCB)
Eine Starrflex-Platine kombiniert starre und flexible Lagen zu einer einzigen, durchgängig leitfähigen Struktur.
Der flexible Bereich wird zuerst gefertigt und anschließend in den starren Bereich einlaminiert.
Prozessmerkmale:
- Durchgehende elektrische Verbindungen zwischen starren und flexiblen Zonen
- Verzicht auf zusätzliche Stecker und Kabel
Hauptvorteile:
- Höhere Zuverlässigkeit und kompakter Aufbau
- Vereinfachte Montage
- Verbesserte mechanische Integrität
Typische Anwendungen:
- Avionik und Luftfahrt
- Mobile Elektronik (z. B. Laptops, faltbare Geräte)
Kostenaspekte:
- Teurer als separate starre Leiterplatten plus Kabel
- Bietet in hochzuverlässigen Anwendungen überlegene Systemleistung

Backplane-Leiterplatte
Eine Backplane ist eine spezialisierte mehrlagige Leiterplatte für hochdichte System-Interkonnektivität und Leistungs-/Stromverteilung.
Strukturelle Merkmale:
- Zahlreiche Press-Fit-Steckverbinder
- Mehrere integrierte Versorgungsebenen
- Ausgelegt für hohe Gleichstrom-Verteilung
Leistungsbereitstellung:
- Interne Power-Planes sind in die Struktur einlaminiert
- Externe Stromschienen (Busbars) oder Bolzen (Studs) kontaktieren die Außenflächen
Fortgeschrittene Backplanes integrieren teils SMD-Aktivbauteile (z. B. ICs) zur Funktions- und Signalkontrolle.
Die große Fläche und Dicke stellen jedoch erhebliche Fertigungsanforderungen: Die hohe thermische Masse erschwert das Löten feinrastiger Bauteile und erfordert präzise Temperaturführung sowie spezialisierte Montageprozesse für hohe Zuverlässigkeit.
FAQ: PCB-Typen
1) Was sind die wichtigsten PCB-Typen?
Einseitig, zweiseitig, mehrlagig, starr (Rigid), flexibel (Flex), Starrflex; Backplanes gelten als spezialisierte Form der Mehrlagen-Platine.
2) Einseitig vs. zweiseitig – der zentrale Unterschied?
Einseitig: Kupfer nur auf einer Seite (niedrigste Kosten, eingeschränktes Routing).
Zweiseitig: Kupfer auf beiden Seiten, Verbindung über durchkontaktierte Bohrungen/Vias (höhere Dichte, moderate Kosten).
3) Wann sollte ich eine Mehrlagen-Platine wählen?
Wenn höhere Verdrahtungsdichte, kontrollierte Impedanzen, durchgehende Versorgungs-/Masseflächen sowie bessere SI/PI/EMV-Eigenschaften für schnelle bzw. komplexe Systeme benötigt werden.
4) Starr vs. Flex vs. Starrflex – wie entscheiden?
Starr = günstigste Option für feste Gehäuse.
Flex = biegsam, spart Platz und reduziert Steckverbinder.
Starrflex = höchste Zuverlässigkeit, wenn Stecker/Kabel Schwachpunkte sind (höhere Leiterplattenkosten, geringeres Systemrisiko).
5) Was ist eine Backplane?
Eine große, dicke Mehrlagen-Platine mit vielen Press-Fit-Steckverbindern und massiven Kupferebenen, die Einschubkarten verbindet und hohe Gleichströme auf Systemebene verteilt.
Fazit
Von einseitigen Platinen bis hin zu Starrflex-Designs und Backplanes bietet die Bandbreite der Leiterplatten-Typen Ingenieur*innen flexible Möglichkeiten, Leistung, Kosten und Fertigbarkeit auszubalancieren.
Das Verständnis der verschiedenen Arten von Leiterplatten ist entscheidend, um Substrat, Lagenaufbau und Interconnect-Strategie für moderne Elektronik richtig zu wählen.





