7 Haupttypen von Leiterplatten: Unterschiede, Aufbau und typische Anwendungen

Rigid-Flex PCB
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Gedruckte Leiterplatten (Printed Circuit Boards, PCBs) gibt es in vielen Ausführungen – abhängig von Aufbau, Material und Einsatzgebiet.
Von den einfachsten einseitigen Platinen bis hin zu hochentwickelten Backplanes und Starrflex-Schaltungen unterscheiden sich die PCB-Typen in Kosten, Zuverlässigkeit, Verdrahtungsdichte und Fertigungskomplexität.

Dieser Leitfaden erklärt die gebräuchlichsten Arten von Leiterplatten, ihren Aufbau und die typischen Einsatzfälle.

Einseitige und zweiseitige Leiterplatten

1. Einseitige Leiterplatte (Single-Sided PCB)

Eine einseitige Leiterplatte besitzt leitfähige Kupferbahnen nur auf einer Seite; die andere Seite besteht in der Regel aus einem isolierenden Substrat.
Sie ist die einfachste und wirtschaftlichste PCB-Variante.

Wesentliche Merkmale:

  • Geringe Verdrahtungsdichte
  • Einfache Fertigungsprozesse
  • Sehr niedrige Kosten
  • Begrenzte Funktionalität – für komplexe Schaltungen ungeeignet

Da alle Leiterzüge auf einer einzigen Fläche liegen, sind die Routing-Möglichkeiten eingeschränkt. Einseitige PCBs eignen sich daher für einfache Schaltungen mit wenigen Bauteilen.

Typische Anwendungen:

  • Einfache Konsumelektronik
  • Günstige Haushaltsgeräte
  • Einfache Steuerungen
Cross-section diagram illustrating different PCB types — single-sided, double-sided, and multilayer board structures.

2. Zweiseitige Leiterplatte (Double-Sided PCB)

Eine zweiseitige Leiterplatte besitzt Kupferschichten auf beiden Seiten; Leiterzüge und Bauteile können auf Ober- und Unterseite platziert werden.
Die elektrische Verbindung zwischen beiden Seiten erfolgt über durchkontaktierte Bohrungen (PTH) bzw. Vias.

Wesentliche Merkmale:

  • Höhere Verdrahtungsdichte als bei einseitigen Platinen
  • Bestückung auf beiden Seiten möglich
  • Moderate Kosten
  • Ideal für Schaltungen mittlerer Komplexität

Häufige Materialien:

  • Papier-/Harz-Basismaterial für Konsumelektronik
  • Verlustarme PTFE-Lamine (Teflon) für HF- und Mikrowellen-Schaltungen

Typische Anwendungen:

  • Konsumelektronik
  • Fahrzeugelektronik
  • HF- und Mikrowellensysteme

Einseitige und zweiseitige Leiterplatten sind für Massenprodukte die kosteneffizientesten PCB-Typen.

Mehrlagige Leiterplatte (Multilayer PCB)

Eine mehrlagige Leiterplatte enthält mehr als zwei Kupferschichten – typischerweise drei oder mehr – die unter Hitze und Druck miteinander verpresst werden.

Strukturelle Eigenschaften:

  • Innenlagen sind über durchkontaktierte Vias verbunden
  • Außenlagen dienen der Signal- oder Stromverteilung
  • Durchgehende Versorgungs- und Masseflächen zur Rauschunterdrückung

Mehrlagen-PCBs verbessern Signalintegrität (SI), Power-Integrität (PI) und EMV-Verhalten (EMI/EMV) – und sind damit essenziell für hochdichte, hochschnelle Elektronik.

Übliche Lagenzahlen:

  • 3 bis 50 Lagen – je nach Systemkomplexität

Materialaufbau:

  • Glasfasergewebe, verstärkt mit Epoxid oder anderen Harzsystemen
  • Bietet hohe thermische Stabilität, kontrollierte Dielektrizitätskonstante und chemische Beständigkeit

Typische Anwendungen:

  • PCs und Server
  • Netzwerk- und Kommunikationstechnik
  • Hochgeschwindigkeits-Digitalsysteme
  • Supercomputer

Die meisten komplexen Digitalsysteme setzen aus Leistungs- und Platzgründen auf mehrlagige PCBs.

Diskrete Verdrahtung / Multiwire-Leiterplatte

Die Multiwire- bzw. Leiterplatte mit diskreter Verdrahtung ist aus der Multilayer-Technik hervorgegangen und ersetzt geätzte Signallagen durch individuell geführte Drahtleiter.

Fertigung – Überblick:

  1. Leistungs-/Versorgungsebenen werden auf beiden Substratseiten geätzt.
  2. Halbgehärtete, klebende Prepregs werden beidseitig laminiert.
  3. Diskrete Drähte/Leiter werden gemäß Layout in die Klebeschichten eingebettet bzw. eingewalzt.
  4. Eine zweite Laminatschicht wird aufgebracht; anschließend Verpressen, Bohren und Endbearbeitung wie bei einer Standard-Multilayer-Platine.

Kerneigenschaften:

  • Elektrisch mit Multilayer-PCBs vergleichbar
  • Signallagen werden durch Drahtlagen ersetzt
  • Geeignet für hochdichte Verdrahtung mit hohen Isolationsanforderungen

Die Auslegung erfordert spezialisierte CAD-Werkzeuge zur exakten Drahtpfad-Generierung. Das Verfahren erlaubt flexibles Routing und schnelle Designänderungen, ist jedoch für die Serienfertigung weniger praktikabel (höhere Komplexität und Kosten).

Bewertung:

  • Prototyping: kurze Durchlaufzeiten, geringe Werkzeugkosten
  • Serie: klassische Multilayer-PCBs sind wirtschaftlicher und konsistenter herzustellen

Hybride Leiterplatten (Hybrid Circuit Boards)

Hybride Leiterplatten kombinieren keramische Substrate mit gedruckten Widerständen und SMD-Bauteilen und schlagen so die Brücke zwischen PCB- und Dickschicht-Technologie.

Typischer Aufbau:

  • Keramikbasis ein- oder zweiseitig
  • Oberflächenmontierte aktive Bauteile
  • Widerstandsnetzwerke mittels Metallpasten gedruckt

Vorteile:

  • Kompakte Bauform
  • Hervorragende thermische und dimensionsstabile Eigenschaften
  • Hohe Zuverlässigkeit für Miniatur-Designs

Typische Anwendungen:

  • Hörgeräte
  • Miniaturisierte Medizingeräte
  • Spezialisierte, kompakte Elektronik

Flexible Leiterplatte (Flexible PCB, FPC)

flex PCB

Flexible Leiterplatten entstehen durch Laminieren von Kupferfolie auf ein flexibles Substrat wie Polyimid (PI) oder Aramidfaser-Folien.
Sie lassen sich biegen, falten oder verdrehen – bei durchgängiger elektrischer Verbindung.

Strukturelle Merkmale:

  • Als ein-, zwei- oder mehrlagige Ausführung erhältlich
  • Ersatz für klassische Kabelbäume
  • Geringes Gewicht und platzsparend

Vorteile:

  • Weniger Steckverbinder und Verbindungsfehler
  • Geringerer Montageaufwand / mehr Bauraum
  • Bessere mechanische Flexibilität und Zuverlässigkeit

Typische Anwendungen:

  • Kameras
  • Drucker und Laufwerke
  • Luft- und Raumfahrt-Elektronik
  • Videorekorder

Starrflex-Leiterplatte (Rigid-Flex PCB)

Eine Starrflex-Platine kombiniert starre und flexible Lagen zu einer einzigen, durchgängig leitfähigen Struktur.
Der flexible Bereich wird zuerst gefertigt und anschließend in den starren Bereich einlaminiert.

Prozessmerkmale:

  • Durchgehende elektrische Verbindungen zwischen starren und flexiblen Zonen
  • Verzicht auf zusätzliche Stecker und Kabel

Hauptvorteile:

  • Höhere Zuverlässigkeit und kompakter Aufbau
  • Vereinfachte Montage
  • Verbesserte mechanische Integrität

Typische Anwendungen:

  • Avionik und Luftfahrt
  • Mobile Elektronik (z. B. Laptops, faltbare Geräte)

Kostenaspekte:

  • Teurer als separate starre Leiterplatten plus Kabel
  • Bietet in hochzuverlässigen Anwendungen überlegene Systemleistung
Rigid-Flex PCB

Backplane-Leiterplatte

Eine Backplane ist eine spezialisierte mehrlagige Leiterplatte für hochdichte System-Interkonnektivität und Leistungs-/Stromverteilung.

Strukturelle Merkmale:

  • Zahlreiche Press-Fit-Steckverbinder
  • Mehrere integrierte Versorgungsebenen
  • Ausgelegt für hohe Gleichstrom-Verteilung

Leistungsbereitstellung:

  • Interne Power-Planes sind in die Struktur einlaminiert
  • Externe Stromschienen (Busbars) oder Bolzen (Studs) kontaktieren die Außenflächen

Fortgeschrittene Backplanes integrieren teils SMD-Aktivbauteile (z. B. ICs) zur Funktions- und Signalkontrolle.
Die große Fläche und Dicke stellen jedoch erhebliche Fertigungsanforderungen: Die hohe thermische Masse erschwert das Löten feinrastiger Bauteile und erfordert präzise Temperaturführung sowie spezialisierte Montageprozesse für hohe Zuverlässigkeit.

FAQ: PCB-Typen

1) Was sind die wichtigsten PCB-Typen?

Einseitig, zweiseitig, mehrlagig, starr (Rigid), flexibel (Flex), Starrflex; Backplanes gelten als spezialisierte Form der Mehrlagen-Platine.

2) Einseitig vs. zweiseitig – der zentrale Unterschied?

Einseitig: Kupfer nur auf einer Seite (niedrigste Kosten, eingeschränktes Routing).
Zweiseitig: Kupfer auf beiden Seiten, Verbindung über durchkontaktierte Bohrungen/Vias (höhere Dichte, moderate Kosten).

3) Wann sollte ich eine Mehrlagen-Platine wählen?

Wenn höhere Verdrahtungsdichte, kontrollierte Impedanzen, durchgehende Versorgungs-/Masseflächen sowie bessere SI/PI/EMV-Eigenschaften für schnelle bzw. komplexe Systeme benötigt werden.

4) Starr vs. Flex vs. Starrflex – wie entscheiden?

Starr = günstigste Option für feste Gehäuse.
Flex = biegsam, spart Platz und reduziert Steckverbinder.
Starrflex = höchste Zuverlässigkeit, wenn Stecker/Kabel Schwachpunkte sind (höhere Leiterplattenkosten, geringeres Systemrisiko).

5) Was ist eine Backplane?

Eine große, dicke Mehrlagen-Platine mit vielen Press-Fit-Steckverbindern und massiven Kupferebenen, die Einschubkarten verbindet und hohe Gleichströme auf Systemebene verteilt.

Fazit

Von einseitigen Platinen bis hin zu Starrflex-Designs und Backplanes bietet die Bandbreite der Leiterplatten-Typen Ingenieur*innen flexible Möglichkeiten, Leistung, Kosten und Fertigbarkeit auszubalancieren.
Das Verständnis der verschiedenen Arten von Leiterplatten ist entscheidend, um Substrat, Lagenaufbau und Interconnect-Strategie für moderne Elektronik richtig zu wählen.

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