In der EMV-gerechten Entwicklung gehört die EMI-Abschirmung von Leiterplatten zu den grundlegendsten, aber zugleich wichtigsten Maßnahmen. Sie hilft dabei, äußere Störeinflüsse zu reduzieren und verhindert außerdem, dass interne Schaltungen unerwünschte elektromagnetische Störungen abstrahlen. Bei Hochfrequenzschaltungen, Analogsystemen, HF-Modulen und leistungselektronischen Anwendungen hat die Abschirmung oft direkten Einfluss auf Stabilität, Zuverlässigkeit und das Bestehen von EMV-Prüfungen.
Viele Ingenieurinnen und Ingenieure verstehen unter elektromagnetischer Abschirmung zunächst einfach das Anbringen einer Metallhaube. In der Praxis steckt jedoch deutlich mehr dahinter. Materialauswahl, Erdung, strukturelle Kontinuität, Öffnungen und die tatsächliche Schirmwirkung beeinflussen das Endergebnis maßgeblich. In diesem Beitrag werden die wichtigsten Abschirmstrukturen, ihre Wirkprinzipien und die Bewertung der EMI-Abschirmwirkung im PCB-Design erläutert.
Was ist eine Abschirmstruktur?

Eine Abschirmstruktur ist ein leitfähiges oder magnetisches Material, das dazu dient, die Ausbreitung elektrischer, magnetischer oder elektromagnetischer Felder zu blockieren, zu reduzieren oder gezielt zu kontrollieren. Ihr Zweck besteht darin, eine Barriere zwischen der Störquelle und dem zu schützenden Bereich zu schaffen, sodass das Störfeld reflektiert, absorbiert, umgeleitet oder gegen Masse abgeführt wird.
Je nach Art des zu kontrollierenden Feldes lassen sich Abschirmstrukturen im Allgemeinen in drei Kategorien einteilen:
- elektrostatische Abschirmung
- magnetische Abschirmung
- elektromagnetische Abschirmung
Jede dieser Abschirmarten ist für einen anderen Zweck ausgelegt und beruht auf unterschiedlichen Materialeigenschaften. Sie sind daher nicht beliebig austauschbar.
Bei PCB-Produkten beschränkt sich die Abschirmung nicht nur auf das äußere Gehäuse. Sie kann auch als lokale Metallabschirmung, geerdete Abschirmlage, leitfähige Beschichtung, leitfähiger Schaum, leitfähige Dichtung oder sogar als Kabelschirm ausgeführt sein.
Die drei wichtigsten Arten der EMI-Abschirmung auf Leiterplatten
1. Elektrostatische Abschirmung
Die elektrostatische Abschirmung dient zur Unterdrückung elektrischer Felder.
Sie besteht typischerweise aus hochleitfähigen, nichtmagnetischen Materialien wie Kupfer oder Aluminium und erfordert in der Regel eine Erdung. Ihre Aufgabe ist es, das elektrische Feld an der Metalloberfläche zu beenden und angesammelte Ladung gegen Masse abzuleiten, damit das Feld den geschützten Bereich nicht erreicht.
Vereinfacht gesagt hängt elektrostatische Abschirmung von drei Faktoren ab:
- ein gut leitfähiges Material
- eine zuverlässige Masseanbindung
- eine Struktur, die das elektrische Feld außerhalb des geschützten Bereichs hält
Wenn elektrische Feldkopplung das Hauptproblem ist, ist eine saubere Erdung oft genauso wichtig wie die metallische Abschirmung selbst.
Im PCB-Design betrifft das geerdete Metallabdeckungen, geerdete Kupferflächen und abgeschirmte Gehäuse mit Masseanschluss. Ohne einen soliden Massepfad sinkt die Wirksamkeit elektrostatischer Abschirmung deutlich.
2. Magnetische Abschirmung
Die magnetische Abschirmung wird eingesetzt, um magnetische Felder zu kontrollieren.
Sie besteht meist aus Materialien mit hoher magnetischer Permeabilität, etwa Stahl oder anderen ferromagnetischen Werkstoffen. Anstatt den magnetischen Fluss einfach zu blockieren, stellt die Abschirmung einen leichteren Weg für die Feldlinien bereit und leitet sie durch das Abschirmmaterial, statt ihre Ausbreitung in den umgebenden Raum zuzulassen.
Das bedeutet: Magnetische Abschirmung hängt stärker von der Permeabilität als von der elektrischen Leitfähigkeit ab. Das ist vor allem bei niedrigen Frequenzen wichtig, bei denen gewöhnliche Metallabdeckungen gegen magnetische Störungen oft nur wenig ausrichten.
In der Praxis wird magnetische Abschirmung häufig in der Nähe von Transformatoren, Induktivitäten, Hochstromschleifen und Schaltungen benötigt, die empfindlich auf niederfrequente Magnetfelder reagieren.
3. Elektromagnetische Abschirmung
Die elektromagnetische Abschirmung reduziert vor allem die Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder und ist damit die häufigste Form der EMI-Abschirmung bei Leiterplatten.
Schnelle Digitalschaltungen, Schaltnetzteile, HF-Module, Taktkreise und Hochgeschwindigkeitsschnittstellen benötigen häufig genau diesen Schutz. Im Vergleich zur elektrostatischen und magnetischen Abschirmung beruht die elektromagnetische Abschirmung auf einer komplexeren Kombination mehrerer Wirkmechanismen, darunter:
- Reflexion elektromagnetischer Wellen an der Abschirmoberfläche
- Induzierte Wirbelströme im Abschirmmaterial
- Ableitung von Störströmen gegen Masse
- Absorption und Dissipation hochfrequenter Energie in bestimmten Materialien
Gemeinsam sorgen diese Effekte dafür, dass die Feldstärke im geschützten Bereich reduziert wird.
Mit anderen Worten: Elektromagnetische Abschirmung beruht nicht auf einem einzigen Mechanismus. In der Regel ist sie das Ergebnis aus Reflexion, Verlusten, Absorption und Erdung. Genau deshalb spielt sie in der hochfrequenten EMI-Kontrolle eine so große Rolle.
Aus Sicht des PCB-Engineerings tritt Abschirmung meist in drei Formen auf:
- Bauteilebene: Abschirmung einzelner Komponenten oder besonders störender Bauteile mit einer Metallhaube
- Baugruppenebene: Abschirmung eines Funktionsbereichs oder eines größeren Abschnitts der Leiterplatte
- Kabelebene: Abschirmung von schnellen oder hochfrequenten Leitungen und Kabeln
Materialien für die EMI-Abschirmung und ihre Auswahl
Die Auswahl geeigneter Abschirmmaterialien hängt nicht nur davon ab, ob ein Material metallisch ist. Entscheidend sind vielmehr die Art der Störung, der relevante Frequenzbereich, die mechanische Struktur und die Kostenziele.
Zu den gängigen Abschirmmaterialien gehören:
- Kupfer
- Aluminium
- Nickel
- Stahl
- Metallfolien
- leitfähige Beschichtungen
- leitfähige Dichtungen
- leitfähige Klebebänder
- Ferritmaterialien
Grundsätzlich eignen sich hochleitfähige Materialien besser für reflektierende Abschirmung, Materialien mit hoher Permeabilität besser für magnetische Abschirmung, und ferritbasierte Werkstoffe sind nützlich, um hochfrequentes Rauschen zu absorbieren und zu unterdrücken.
In realen Produkten hängt die Materialwahl meist von mehreren Fragen ab:
- Handelt es sich überwiegend um elektrische, magnetische oder elektromagnetische Störungen?
- Welcher Frequenzbereich ist besonders relevant?
- Muss die Abschirmung geerdet werden?
- Sind Öffnungen für Belüftung oder Zugang erforderlich?
- Muss die Struktur zusätzlich mechanische Stabilität liefern?
- Gibt es Fertigungs- oder Kostenrestriktionen?
Eine sinnvolle Materialwahl ist also nur im Gesamtkontext der Anwendung möglich.
Warum mehrlagige EMI-Abschirmung oft besser funktioniert
Wenn eine einzelne Abschirmlage nicht ausreicht, kann ein mehrlagiger Aufbau die Leistung deutlich verbessern.
Ein gängiger Ansatz ist:
- eine äußere Lage mit hoher Leitfähigkeit zur Verbesserung der Reflexion
- eine innere Lage mit hoher Permeabilität zur Reduzierung magnetischer Verluste oder zur besseren Feldführung
Auf diese Weise übernehmen unterschiedliche Materialien unterschiedliche Aufgaben innerhalb des Abschirmkonzepts.
Mehrlagige Abschirmung bedeutet also nicht einfach nur „mehr Metall“, sondern einen gezielten Designansatz, bei dem jede Lage eine bestimmte Funktion erfüllt und dadurch die Gesamtwirkung verbessert.
Bei PCB-Produkten lässt sich mehrlagige Abschirmung auch allgemeiner als kombinierte Strategie verstehen, etwa in Form von:
- einer Metallabschirmung in Kombination mit einer durchgehenden Massefläche
- absorbierenden Materialien zusammen mit einem leitfähigen Gehäuse
- leitfähigen Dichtmaterialien entlang geerdeter Kanten
In vielen Fällen entsteht die Abschirmwirkung nicht durch ein einzelnes Bauteil, sondern durch das Zusammenspiel des gesamten Systems.
Öffnungen, Spalte und Schlitze in EMI-Abschirmungen
Eines der am häufigsten unterschätzten Probleme bei der EMI-Abschirmung von Leiterplatten ist die strukturelle Diskontinuität.
Enthält die Abschirmstruktur Löcher, Nähte, Schlitze oder andere Öffnungen, kann die Schirmwirkung erheblich nachlassen. Je höher die Frequenz, desto gravierender ist dieser Effekt.
Der Grund dafür ist, dass solche Unterbrechungen die Integrität der Abschirmgrenze beeinträchtigen und Leckpfade für elektromagnetische Energie schaffen. Bei hohen Frequenzen kann ein Spalt oder Schlitz sogar wie eine unbeabsichtigte Sendeantenne wirken und dadurch die EMI-Kopplung oder Abstrahlung weiter verschlechtern.
Das bedeutet: Die Abschirmwirkung hängt nicht nur vom Material ab, sondern auch von strukturellen Details wie:
- Ist das Gehäuse möglichst durchgehend und geschlossen?
- Sind Fugen eng und elektrisch gut verbunden?
- Haben Öffnungen eine angemessene Größe?
- Bleibt die elektrische Kontinuität bei der Montage erhalten?
- Sind Kabeleinführungen korrekt behandelt?
- Besteht eine niederimpedante Verbindung zur Masse?
Bei Hochfrequenzdesigns sind diese Punkte oft wichtiger als eine größere Materialdicke.

Wie sich die Abschirmwirkung auf Leiterplatten verbessern lässt
Wer den Einfluss von Spalten und Öffnungen verstanden hat, kann das Design gezielt optimieren.
Zu den üblichen Maßnahmen zählen:
- die Abschirmung so geschlossen und kontinuierlich wie möglich ausführen
- die Zahl der Verbindungen zwischen Abschirmung und Massefläche erhöhen
- Masse-Vias oder geerdete Lötpunkte entlang der Abschirmgrenze vorsehen
- leitfähige Dichtungen, leitfähigen Schaum oder leitfähige Massen an Fugen einsetzen
- einführende Kabel filtern oder korrekt terminieren
- große Öffnungen in der Nähe hochfrequenter oder empfindlicher Bereiche vermeiden
Aus technischer Sicht bedeutet wirksame EMI-Abschirmung auf Leiterplatten also nicht einfach nur, eine Metallabdeckung über eine Schaltung zu setzen. Entscheidend ist ein kontinuierlicher, geschlossener und niederimpedanter Abschirmpfad.
Was bedeutet Abschirmwirkung?
Um beurteilen zu können, ob ein Abschirmkonzept funktioniert, braucht es eine Möglichkeit zur Bewertung. Zwei gebräuchliche Kenngrößen dafür sind:
- der Abschirmkoeffizient
- die Abschirmdämpfung
Beide beschreiben im Kern dieselbe Frage: Wie stark wird das Störfeld durch die Abschirmung reduziert?
In der Praxis wird das häufig als Schirmwirkung oder Abschirmwirksamkeit zusammengefasst. Sie hängt nicht von nur einem einzelnen Faktor ab. Materialeigenschaften, Frequenz, Erdung, strukturelle Kontinuität, Öffnungen und die Gestaltung des Rückstrompfads beeinflussen das Ergebnis gemeinsam.
Was ist der Abschirmkoeffizient?
Der Abschirmkoeffizient ist das Verhältnis der Feldstärke im geschützten Bereich mit vorhandener Abschirmung zur Feldstärke am selben Ort ohne Abschirmung.
Einfach ausgedrückt:
- je kleiner das Feld innerhalb des geschützten Bereichs ist,
- je kleiner also das Verhältnis im Vergleich zum ungeschirmten Fall ausfällt,
- desto besser ist die Abschirmung.
Das heißt: Je kleiner der Abschirmkoeffizient, desto besser die Schirmwirkung.
Diese Kenngröße zeigt, wie viel Störung trotz Abschirmung noch in den geschützten Bereich gelangt.
Was ist Abschirmdämpfung?
Die Abschirmdämpfung beschreibt die Verringerung des Störfeldes durch die Abschirmung und wird typischerweise in Dezibel (dB) angegeben.
Sie zeigt, um wie viel die Feldstärke reduziert wurde, und ist deshalb in technischen Diskussionen und Prüfberichten besonders anschaulich.
Die Grundregel lautet:
- Je größer die Abschirmdämpfung, desto besser die Abschirmung.
Ein höherer dB-Wert bedeutet, dass die Störung stärker reduziert wurde und die Abschirmung entsprechend wirksamer ist.
In Produktspezifikationen, EMV-Berichten und technischen Besprechungen ist die Angabe in dB oft die praktischste Form, um die Abschirmwirkung zu beschreiben.
Wie lässt sich gute Abschirmung richtig bewerten?
Eine gute Abschirmstruktur kann auf zwei Arten beurteilt werden.
Über den Abschirmkoeffizienten
Ein kleineres Verhältnis bedeutet, dass weniger Feld den geschützten Bereich erreicht.
Damit ist die Abschirmung besser.
Über die Abschirmdämpfung
Ein höherer Dämpfungswert bedeutet, dass die Störung stärker reduziert wurde.
Damit ist die Abschirmung besser.
Auch wenn beide Größen unterschiedlich formuliert sind, führen sie zur gleichen Aussage:
Je weniger Störung den geschützten Bereich erreicht, desto besser arbeitet die Abschirmung.
Für das PCB-Design ist dabei ein wichtiger Punkt zu beachten: Eine hohe Schirmwirkung bedeutet nicht, dass eine Abschirmung allein jedes EMI-Problem lösen kann. Wenn das Layout bereits grundlegende Schwächen aufweist, etwa unterbrochene Rückstrompfade, geteilte Masseflächen, unzureichende Entkopplung oder eine zu geringe Trennung zwischen empfindlichen und störenden Bereichen, dann bringt selbst eine gute Abschirmung oft nur begrenzte Verbesserungen.
Deshalb sollte Abschirmung in der Regel immer zusammen mit folgenden Maßnahmen betrachtet werden:
- durchgehende Masseflächen
- sinnvolle Aufteilung des Layouts in Funktionsbereiche
- kurze Stromschleifen
- saubere Rückstrompfade
- geeignete Entkopplung
- eng gesetzte Masse-Vias
- ausreichender Abstand zwischen störenden und empfindlichen Schaltungsteilen
Mit anderen Worten: EMI-Abschirmung ist ein wichtiges Werkzeug im EMV-Design, aber nur ein Teil einer ganzheitlichen Entwicklungsstrategie.
Die wichtigsten Punkte im Überblick
- Abschirmstrukturen dienen dazu, elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder zu reduzieren oder zu kontrollieren.
- Die drei Hauptkategorien sind elektrostatische, magnetische und elektromagnetische Abschirmung.
- Elektrostatische Abschirmung beruht auf leitfähigen Materialien und guter Erdung.
- Magnetische Abschirmung hängt in erster Linie von hoher Permeabilität ab.
- Elektromagnetische Abschirmung wirkt typischerweise durch Reflexion, Wirbelströme, Absorption und Erdung.
- Bei PCB-Produkten kommt Abschirmung auf Bauteil-, Baugruppen- und Kabelebene zum Einsatz.
- Abschirmmaterialien sollten nach Frequenzbereich, Struktur, Erdung und Kosten ausgewählt werden.
- Mehrlagige oder kombinierte Abschirmstrategien sind meist wirksamer als ein einlagiger Aufbau.
- Öffnungen, Spalte und Schlitze können die Schirmwirkung vor allem bei hohen Frequenzen deutlich verschlechtern.
- Die Abschirmleistung lässt sich über Abschirmkoeffizient oder Abschirmdämpfung beschreiben.
- Ein kleinerer Abschirmkoeffizient bedeutet bessere Abschirmung, ein größerer Dämpfungswert steht ebenfalls für eine bessere Wirkung.
- Die wirksamsten Abschirmkonzepte kombinieren Abschirmung, Erdung, sauberes Layout und strukturelle Kontinuität.
Fazit
Elektromagnetische Abschirmung wirkt auf den ersten Blick wie ein rein mechanisches Detail, ist in Wahrheit aber das Ergebnis aus Materialeigenschaften, Schaltungsverhalten, Erdung, Frequenzverhalten und strukturellem Design. Wer eine wirksame Abschirmlösung entwickeln will, muss die Art des Störfeldes, die passende Abschirmmethode, die Kontinuität der Struktur und die Bewertung der Schirmwirkung gemeinsam betrachten.
Für Leiterplatten gilt dabei vor allem eines: EMI-Abschirmung funktioniert am besten als Teil eines vollständigen EMV-Konzepts. Eine Metallhaube allein reicht in den seltensten Fällen aus. Die tatsächliche Leistung entsteht erst durch das Zusammenspiel von Abschirmung, Massefläche, Layout, Fugenbehandlung und Kabelführung innerhalb eines abgestimmten Gesamtsystems。




