In der modernen Elektronik ist die Leiterplatte (PCB, Printed Circuit Board) kein isoliertes Bauteil – sie ist Teil eines größeren Electronic-Packaging-Systems (Gehäuse- und Aufbautechnik der Elektronik).
Um zu verstehen, wie elektronische Geräte montiert, geschützt und miteinander verbunden werden, müssen Ingenieur*innen die Ebenen des Electronic Packaging kennen – und wissen, welche Rolle die PCB in dieser Hierarchie spielt.
Dieser Leitfaden erklärt die wichtigsten Packaging-Ebenen, ihre Eigenschaften und die zentrale Rolle der Leiterplatte bei der Verbindung und Unterstützung elektronischer Gehäuse (electronic packages).

Einflussfaktoren bei der Wahl des Electronic Packaging
Die Wahl der passenden Electronic-Packaging-Lösung ist ein Abwägen zwischen Leistung, Kosten und Herstellbarkeit. Typische Kriterien:
- Qualität und Zuverlässigkeit
- Größen- und Gewichtsgrenzen
- Material- und Produktionskosten
- Elektrische Leistung und Signalgschwindigkeit
- Montage- und Reparaturfreundlichkeit
- Wärmeabfuhr/Wärmemanagement
- Funktionale Komplexität und Systemintegration
Es gibt kein universell „bestes“ Packaging – sondern nur das passendste Gehäuse für die jeweilige Anwendung.
Die drei Ebenen des Electronic Packaging
Electronic Packaging wird üblicherweise in drei hierarchische Ebenen eingeteilt, die beschreiben, wie Gehäuse (electronic packages) innerhalb eines Systems gruppiert und integriert werden.
Ebene 1: Packaging auf Komponentenebene
Definition:
Ummantelung eines einzelnen Halbleiters oder elektronischen Bauteils. Sie bietet mechanischen Schutz und die elektrische Anbindung der Chip-Struktur nach außen.
Häufige Gehäusebauformen:
- Kunststoffumspritzte ICs (z. B. DIP, SOIC, QFN)
- Keramische Kavity-Gehäuse
- Pin-Grid-Array (PGA)
Hauptfunktionen:
- Schutz des nackten Dies gegen Umwelteinflüsse
- Standardisierte Anschlussflächen/Leads bereitstellen
- Elektrischen, mechanischen und thermischen Kontakt zwischen Chip und Leiterplatte ermöglichen
Kurz: Ebene 1 definiert das physische und thermische „Zuhause“ des Chips.
Ebene 2: Packaging auf Leiterplattenebene (PCB-Level)
Definition:
Integration mehrerer Bauteile oder Module auf einer Leiterplatte (PCB) bzw. einem Substrat zu einer funktionsfähigen Schaltung.

Umfasst:
- Bestückung und Lötung der Bauteile
- Leistungs- und Signalführung (Routing)
- Mechanische und thermische Auslegung
Typische Träger:
- Ein- oder zweiseitige Leiterplatten
- Mehrlagenleiterplatten
- Flexible Leiterplatten (Flex-PCBs)
- Starrflex-Leiterplatten (Rigid-Flex)
Brancheneinordnung:
Hier werden electronic packages (ICs, Widerstände, Kondensatoren, Steckverbinder) montiert und elektrisch verbunden. Diese Ebene bestimmt maßgeblich Leistung, Zuverlässigkeit und Herstellbarkeit des Produkts.
Ebene 2 ist die Kernebene der meisten Elektronikprodukte – hier zählen Layout-Qualität und Fertigungspräzision.
Ebene 3: Packaging auf Systemebene
Definition:
Systemintegration, bei der mehrere Leiterplatten oder Module zu einem vollständigen elektronischen System kombiniert werden.
Typische Formen:
- Multi-Chip-Module (MCM)
- System-in-Package (SiP)
- Rack-/Baugruppenträger mit Rückwandplatinen (Backplanes)
Schlüsselmerkmale:
- Integration mehrerer Chips oder Boards
- Gemeinsame Leistungs- und Signalverbindungen
- Ausgelegt für hohe Performance, kompakte Bauweise und hohe Zuverlässigkeit
Auf dieser Ebene geht Electronic Packaging über einzelne Boards hinaus – es entsteht ein vollwertiges Elektronik-Ökosystem.

Beziehung zwischen Packaging-Ebenen und Leiterplatten
| Ebene | Kernobjekt | Typische Beispiele |
|---|---|---|
| 1 | Einzelkomponente | IC-Gehäuse, PGA |
| 2 | Schaltungsbaugruppe | PCB mit bestückten Bauteilen |
| 3 | Systemintegration | MCM, Rückwandplatinen, komplette Module |
Die PCB dient als Brücke zwischen Ebene 1 und Ebene 3 und verbindet einzelne electronic packages zu einem einheitlichen, funktionsfähigen System.
Warum Electronic Packaging wichtig ist
Electronic Packaging ist mehr als nur physischer Schutz – es ist Grundlage für Zuverlässigkeit, Fertigbarkeit und Thermik.
Ein wirkungsvolles Packaging-Design gewährleistet:
- Stabilen mechanischen Halt
- Effiziente Wärmewege
- Zuverlässige elektrische Verbindungen
- Langzeithaltbarkeit unter Belastung
Moderne Systeme – von Smartphones bis zur Flugzeug-Avionik – beruhen auf dem präzisen Zusammenspiel aus Packaging auf Komponentenebene und Leiterplattendesign auf Systemebene.
FAQ — Electronic Packaging
1) Was ist Electronic Packaging?
Electronic Packaging ist das mechanische, elektrische und thermische Rahmenwerk, das Bauteile schützt, Leistung/Signale führt und eine zuverlässige Montage vom Chip bis zum System ermöglicht.
2) Welche drei Ebenen gibt es?
Ebene 1: Bauteil/Gehäuse (Einzelkomponente)
Ebene 2: Leiterplattenebene mit mehreren electronic packages
Ebene 3: Systemintegration (mehrere Boards/Module)
3) Welche Rolle spielt die PCB?
Die Leiterplatte ist der Träger der Ebene 2: Sie trägt die electronic packages und verbindet sie elektrisch – die Brücke vom Chip (Ebene 1) zum System (Ebene 3).
4) Wie helfen Mehrlagen-PCBs?
Durch Leistungs-/Masseebenen und leitungsführungen mit definierter Impedanz verbessern sie Signal- und Leistungsintegrität sowie die EMV/EMI-Eigenschaften.
5) Wann sollte man Starrflex einsetzen?
Wenn kompakte 3D-Faltung, weniger Steckverbinder/Kabel, höhere Zuverlässigkeit sowie Gewichts-/Platzeinsparungen gefordert sind.
6) Was ist eine Backplane auf Ebene 3?
Eine Rückwandplatine ist eine slotted PCB-Schnittstelle, die mehrere Boards zu einem System verbindet und Leistung sowie Hochgeschwindigkeitssignale verteilt.
7) Wie unterstützt Packaging das Wärmemanagement?
Über leitfähige Wärmewege, thermische Pads/Heat-Spreader und geeignete Wärmeleitmaterialien, um Sperrschichttemperaturen im zulässigen Bereich zu halten.
Fazit
Von einzelnen electronic packages bis zu mehrplatinenbasierten Systemen: Electronic Packaging ist die Kunst und Wissenschaft, Leistung, Bauraum und Herstellbarkeit in Einklang zu bringen.
Das Verständnis der Packaging-Ebenen hilft, geeignete Leiterplattentechnologien und Montagemethoden zu wählen – für maximale Zuverlässigkeit und Performance.
Kurz gesagt: Electronic Packaging ist der Treffpunkt von Physik, Werkstoffen und Fertigung – dort, wo elektronische Ideen zu realen, funktionsfähigen Produkten werden.





