Home - Blog - Wie die dielektrischen Materialien von PCBs die Hochgeschwindigkeits-Signalintegrität beeinflussen: Anstiegszeit, Eye-Diagramme und Verluste erklärt
Wie die dielektrischen Materialien von PCBs die Hochgeschwindigkeits-Signalintegrität beeinflussen: Anstiegszeit, Eye-Diagramme und Verluste erklärt
Published:
Januar 13, 2026
Share the Post:
Table of Contents
In der Welt der digitalen Hochgeschwindigkeitskommunikation ist Signal Integrity (SI) der ultimative Maßstab für Systemzuverlässigkeit. Unter den vielen Einflussgrößen auf die SI werden die elektrischen Eigenschaften des PCB-Substrats häufig unterschätzt.
Ob 10-Gbps-Ethernet, PCIe Gen5/6 oder DDR5: Die Signalqualität dreht sich längst nicht mehr um „ist es verbunden?“, sondern darum, ob die Wellenform noch so aussieht, wie sie soll. Dieser Artikel zeigt, wie die Dielektrizitätskonstante (Dk) und der Verlustfaktor (Df) eines Substrats die Leistungsgrenzen eines Hochgeschwindigkeits-PCBs direkt bestimmen – betrachtet durch die Linsen Anstiegszeit, Bandbreite und Eye-Diagramm.
Anstiegszeit, Bandbreite – und was dahinter steckt
In einem digitalen Übertragungssystem steht die Logik „1“ für eine hohe Spannung, „0“ für eine niedrige. Ein Hochgeschwindigkeitssignal ist keine perfekte Rechteckwelle – jeder Pegelwechsel ist die Überlagerung vieler Sinusanteile. Je kürzer die Anstiegszeit, desto mehr Hochfrequenzanteile enthält das Signal – und desto breiter muss die Bandbreite sein.
Gängig ist die Beziehung:
Bandbreite (GHz) ≈ 0,35 / Anstiegszeit (ns)
Beispiel: Eine Anstiegszeit von 35 ps entspricht einer benötigten Bandbreite von ≈ 10 GHz.
Anders gesagt:
Kürzere Anstiegszeit → schnelleres Signal → mehr Hochfrequenzenergie.
Alles, was diese hohen Frequenzen begrenzt – z. B. dielektrische Verluste – verlangsamt die Flanke und verzerrt die Wellenform.
Das Eye-Diagramm: Der Gesundheitscheck für High-Speed-Links
Das Eye-Diagramm ist eines der am häufigsten verwendeten Werkzeuge zur Bewertung der Link-Qualität. Durch das Überlagern vieler Signalabschnitte entsteht ein „Auge“, das die kombinierten Effekte von Rauschen, Jitter und Verzerrung sichtbar macht.
Kennwert
Bedeutung
Bewertung
Eye-Höhe
Rauschabstand (Noise Margin)
größer = besser
Eye-Breite
Jitter-Toleranz (Timing-Unsicherheit)
größer = besser
Flankenstärke
Ausdruck von Verzerrungen & Empfängerstörungen
dünner = besser
Top/Bottom-Ebenheit
Stabilität der Logikpegel
flacher = besser
Ein weit geöffnetes Auge bedeutet saubere, zuverlässige Übertragung. Ein geschlossenes Auge weist auf starke Degradation hin – viel Jitter, viel Rauschen, wahrscheinliche Bitfehler.
Wie PCB-Materialien die Signalintegrität beeinflussen
Betrachten wir ein 10-Gbps-Signal (analog zur Referenzdarstellung):
Oben: Ideales Quellsignal mit sauberem Übergang von 0 auf 1.
Unten rechts (niedriges Dk / niedriges Df): Wellenform liegt nahe am Quellsignal, minimale Verluste.
„D“ steht hier für die dieelektrischen Materialparameter – primär Dk (Dielektrizitätskonstante) und Df (Verlustfaktor bzw. tan δ). In der Praxis dominiert Df die Dämpfung, während Dk die Ausbreitungsgeschwindigkeit und Impedanz bestimmt.
Weitere Vergleiche zeigen:
Ist D (bzw. Df) hoch, schließt sich das Eye-Diagramm nahezu – inakzeptabel.
Wird D reduziert, öffnet sich das Auge, die Wellenform wird klarer, Bitfehler nehmen ab.
Kernaussage: Ein niedriger Verlustfaktor (Df) ist grundlegend, um die Signalintegrität bei hohen Datenraten zu bewahren.
Verluste, Leiterbahnbreite und Skin-Effekt ausbalancieren
Signalverluste auf dem PCB stammen vor allem aus zwei Quellen:
Dielektrische Verluste – Energieaufnahme im Substrat, proportional zu tan δ.
Leiterverluste – durch den Skin-Effekt: Bei hohen Frequenzen fließt der Strom an der Kupferoberfläche, der wirksame Widerstand steigt.
In Simulationen (Grundlage: 5-mil-Leiterbahn) zeigte sich:
Breitere Leiterbahnen → geringerer Skin-Effekt → weniger Gesamtdämpfung.
Breiter machen kann einen Teil der dielektrischen Verluste kompensieren, senkt aber die Routing-Dichte.
Dieses Trade-off ist besonders in dichten, mehrlagigen High-Speed-Layouts entscheidend.
Mehr Designfreiheit mit verlustarmen Materialien
Bei unterschiedlichen Low-Dk/Low-Df-Materialien ändert sich die Beziehung Breite ↔ Verlust deutlich:
Um eine Gesamtdämpfung < 15 dB/m einzuhalten:
Material A (standard-niedriger Verlust) benötigt ≈ 8 mil Leiterbahnbreite.
Material B (ultraniedriges Df) kommt mit ≈ 5 mil aus.
Das ermöglicht:
Höhere Routing-Dichte ohne Mehrverlust.
Feinere Geometrien ohne Einbußen bei der Signalqualität.
Bessere Skalierbarkeit für HDI und Backplanes.
Die „Material-Decke“ in Hochgeschwindigkeitssystemen
Ab 10 Gbps ist das PCB-Substrat kein passiver Träger mehr, sondern ein aktiver Teil des Signalpfads.
Eigenschaft
Steuert …
Systemauswirkung
Dk (Dielektrizitätskonstante)
Ausbreitungsgeschwindigkeit, Timing-Konsistenz
Verzögerung, Impedanzkontrolle
Df (Verlustfaktor)
Dämpfung, Eye-Diagramm-Öffnung
Signalqualität
Frequenzstabilität
Änderung von Dk/Df mit der Frequenz
Simulationsgenauigkeit, Vorhersagbarkeit
Materialwahl nach Datenrate:
≤ 10 Gbps (mittlere Geschwindigkeit): verbessertes FR-4 oder Materialien mit mittleren Verlusten
10–25 Gbps (High-Speed-Interconnects):niedriges Dk/Df (z. B. Megtron 6, Rogers 4350B)
Niedrigeres Df → weniger Verlust, breiteres und sauberes Eye.
Stabiles dielektrisches Verhalten → gut vorhersagbare Designs und reproduzierbare Serienleistung.
Mit Datenraten im Multi-Gbps- bis hin zum Tbps-Bereich hat sich die Materialwahl vom Kosten- zum Leistungsentscheider gewandelt. Die richtige, verlustarme Substratwahl hält das „Auge“ Ihres Systems buchstäblich offen.
Erfahren Sie, wie Sie mit dem Saturn PCB Toolkit Impedanz, Leiterbahnbreite und Temperaturanstieg berechnen – und wie Sie Unterschiede zu Altium beheben und Fallstricke bei asymmetrischen Streifenleitungen vermeiden.
Wie die dielektrischen Eigenschaften von Leiterplattenmaterialien (Dk/Df) die Signalintegrität bei hohen Geschwindigkeiten beeinflussen: Anstiegszeit, Bandbreite, Augendiagramme und Verluste – sowie Materialauswahl für Designs mit über 10 Gbit/s.
Erfahren Sie, wie die Dielektrizitätskonstante (Dk) und der Verlustfaktor (Df) die Signalintegrität, die Verluste und die Designleistung von Hochgeschwindigkeits-Leiterplatten beeinflussen.