Eigene Leiterplatten (PCBs) herzustellen, gehört zu den schönsten Teilen der Elektronik. Egal, ob du lernen willst, wie Platinen entstehen, kleine Prototypen baust oder lange Fertigungszeiten umgehen möchtest – ein PCB-Kit liefert dir alles für den Start.
Dieser Leitfaden zeigt, was in einem PCB-Kit steckt, wie du zu Hause eine Platine herstellst und wann sich Desktop-Maschinen oder professionelle Fertigung lohnen. Außerdem vergleichen wir Einsteiger-Kits und geben praktische Troubleshooting-Tipps für den Erfolg beim ersten Versuch.

Was ist ein PCB-Kit – und für wen?
Ein PCB-Kit bündelt Werkzeuge und Materialien, mit denen du Leiterplatten zu Hause oder im Labor herstellen oder bestücken kannst. Meist gibt es zwei Typen:
- Fertigungskits – enthalten kupferkaschierte Platten, Transfermaterial, Ätzchemikalien und Kleinstwerkzeuge. Damit erzeugst du die Leiterplatte aus blankem Kupferlaminat.
- Bestückungs-/Löt-Kits – beinhalten fertige Platinen und Bauteile zum Üben oder für kleine DIY-Projekte (LED-Blinker, Verstärker, Arduino-Add-ons usw.).
Im Unterschied zu Steckbrettern (nur für temporäre Verdrahtung) ermöglichen PCB-Kits eine dauerhafte und robuste Platine.
Die einfachste Methode, zu Hause eine PCB herzustellen
Für eine funktionierende Platine brauchst du keine Industrieanlage. Drei Einsteigerwege sind verbreitet:
- Laserdruck & Bügeltransfer: Layout auf Glanzpapier drucken und auf die Kupferplatte bügeln, sodass der Toner haftet.
- Fotoresist-Belichtung: UV-empfindliche Leiterplatten mit Filmmaske – höhere Präzision.
- Handzeichnung: Für schnelle Einzelstücke mit Ätz-Resist-Stift direkt zeichnen.
Grundablauf
- Schaltung entwerfen und Layout gespiegelt exportieren (Gerber oder PDF).
- Muster übertragen – Toner/Fotolack sauber ausrichten und fixieren.
- Ätzen – in Eisen(III)chlorid oder Ammoniumpersulfat, bis unerwünschtes Kupfer entfernt ist.
- Reinigen & Bohren – sorgfältig spülen, Durchkontakt-/Bauteillöcher bohren.
- Löten & Testen – Bauteile bestücken, Durchgang prüfen, vorsichtig einschalten.
So sind ein- bis zweiseitige PCBs mit wenigen Werkzeugen in einigen Stunden machbar.

Inhalt eines guten PCB-Kits
Ein gutes Home-PCB-Kit sollte enthalten:
- Kupferkaschierte Platte (FR-1 oder FR-4)
- Toner-Transferfolien oder Fotoresist-Film
- Ätzlösung (Eisen(III)chlorid oder Ammoniumpersulfat)
- Kunststoffwanne/-behälter zum Ätzen
- Handschuhe, Schutzbrille, Schürze
- Minibohrer/Dremel mit feinen Bohrern
- Reinigungspads oder feines Schleifpapier
- Lötkolben, Lötzinn, Flussmittel
- Einfaches Multimeter für Tests
Optional nützlich: UV-Belichtungskasten, Hohlniet-Durchkontaktierungen, kleiner Absauger.
Sicherheit zuerst: Schutz, Belüftung & Entsorgung
Ätzchemikalien sind wirksam, aber korrosiv. Beachte unbedingt:
- Handschuhe & Schutzbrille tragen.
- Gute Belüftung sicherstellen.
- Keine Metallgefäße verwenden – nur Kunststoff oder Glas.
- Lösungen beschriften & sicher lagern, fern von Kindern und Lebensmitteln.
- Niemals in den Ausguss kippen. Verbrauchtes Eisen(III)chlorid mit Natron neutralisieren und gemäß lokalen Vorschriften für Haushalts-Gefahrstoffe entsorgen.
Ist dein Arbeitsbereich klein oder geteilt, lohnt eine Desktop-PCB-Maschine (Druck/Fräse): sauberer, ohne flüssige Chemie.
DIY-Kit vs. Desktop-Maschine vs. Outsourcing
Die richtige Wahl hängt von Zeit, Budget und Komplexität ab.
| Option | Am besten geeignet für | Typische Kosten | Vorteile | Einschränkungen |
|---|---|---|---|---|
| DIY-Kit | Einsteiger, Lernen, einfache Schaltungen | < 100 $ | Günstig, praxisnah | Begrenzte Präzision, Handarbeit |
| Desktop-PCB-Maschine | Labore, Makerspaces, kleine F&E-Teams | 1.000–10.000 $ | Schnell, sauber, reproduzierbar | Hohe Anschaffung, Größen/Layer limitiert |
| Externe Fertigung | Professionelle oder Multilayer-Boards | 10–100 $ pro Charge | Industrielle Genauigkeit, Oberflächenfinish | Versandzeit, teils Mindestmenge |
DIY-Kits
Ideal zum Lernen und für kleine Analog-/µC-Platinen. Das Finish ist oft grober, der Lerneffekt groß.
Desktop-PCB-Maschinen
- Tintenbasierte Drucker (z. B. Voltera V-One, BotFactory SV2) tragen leitfähige Tinte auf, härten sie aus und können Lötpaste dispensieren. Sehr schnell für Prototypen, meist 1–2 Lagen und gröbere Pitch.
- CNC-Fräsen (z. B. LPKF ProtoMat) entfernen Kupfer mechanisch und bohren. Saubere ein-/zweiseitige Boards ohne Chemie, benötigen aber Werkzeugpflege und Staubkontrolle.
Outsourcing
Für feine Strukturen, Multilayer oder durchkontaktierte Bohrungen ist der Auftrag an ein PCB-Werk meist günstiger und zuverlässiger.
PCB-Kits für Einsteiger: Typen
- Komplette Ätz-Kits – alles vom Rohkupfer bis zur fertigen Platine; perfekt zum ersten Durchlauf (Ausrichten, Ätz-Kontrolle, Reinigung).
- Löt-/Bestückungs-Übungskits – fertige Platinen + Bauteile zum Üben von THT/SMT.
- Prototyping-Boards (Perf/Strip) – keine echte PCB-Fertigung, aber ideal zum schnellen Funktionscheck vor dem Ätzen/Bestellen.
Jeder Typ unterscheidet sich bei Lernkurve, Ergebnisqualität und versteckten Kosten (Verbrauchsmaterial, Reinigung). Viele starten mit einem Ätz-Kit und steigen später auf einen kleinen Desktop-Drucker um.
Schritt für Schritt: Deine erste PCB mit dem Kit
Schritt 1 – Design vorbereiten
Layout gespiegelt exportieren. Footprints, Lochdurchmesser und Polaritäten prüfen.
Schritt 2 – Layout übertragen
Kupfer mit feinem Schleifpapier säubern. Auf Transferpapier drucken, 1–2 min gleichmäßig bügeln. Abkühlen lassen und vorsichtig abziehen.
Schritt 3 – Ätzen
Bei 40–50 °C mit sanfter Bewegung ätzen, bis überschüssiges Kupfer weg ist (meist 5–10 min).
- Zu lange → Überätzen (dünne/unterbrochene Leiterbahnen).
- Zu kurz → Unterätzen (Kupferbrücken).
Schritt 4 – Bohren & Finish
Spülen, trocknen, mit 0,8–1,0 mm bohren, Grate entfernen. Bei zweiseitigen Boards Lagen exakt ausrichten und fixieren.
Schritt 5 – Löten & Test
Auf Wunsch Kupfer verzinnen, Bauteile bestücken, mit Multimeter Kurzschluss/Durchgang prüfen – erst dann einschalten.
Mit etwas Übung ist eine kleine einseitige Leiterplatte in rund 2 Stunden vom Design bis zum Test machbar.
Häufige Fehler – und schnelle Lösungen

| Problem | Wahrscheinliche Ursache | Quick-Fix |
|---|---|---|
| Unvollständiger Transfer | Oberfläche nicht sauber / zu geringe Temperatur | Besser reinigen, heißer und gleichmäßiger bügeln, Glanzpapier nutzen |
| Überätzen / Leiterbahn bricht | Zu heiß oder zu lange geätzt | Zeit/Temperatur reduzieren, Lösung erneuern |
| Unterätzen / Kupferbrücken | Alte Lösung / zu wenig Bewegung | Lösung tauschen oder sanft agitieren |
| Bohrloch versetzt | Freihand ohne Führung | Kleine Schraubstock-/Bohrhilfe nutzen, Zentrierpunkte setzen |
| Pads lösen sich | Lötkolben zu heiß / zu lange Kontaktzeit | Temperatur senken, Kontaktzeit minimieren |
Fehlversuche aufheben – perfekte Lernbeispiele für die nächste Runde.
FAQs
Wie fein sind DIY-Kits machbar?
Typisch 0,25–0,30 mm Leiterbahnbreite bei sauberer Ausrichtung. Feiner gelingt mit Desktop-Drucker oder Profi-Fertigung.
Ist Ätzen zu Hause sicher?
Ja – mit Handschuhen, Schutzbrille und guter Belüftung. Chemische Abfälle nie in den Abfluss geben.
Geht es ohne Bohren?
Mit SMD-Bauteilen oft ja; alternativ leitfähige Hohlniete als Durchkontakt-Ersatz.
Können Desktop-Maschinen Multilayer?
Meist nur 1–2 Lagen. Für komplexe Multilayer ist Outsourcing wirtschaftlicher.
Wann lieber auslagern?
Bei Impedanzkontrolle, durchkontaktierten Bohrungen oder sehr feinem Pitch von ICs.
Fazit: Lernen, experimentieren, wachsen
Ein PCB-Kit ist mehr als eine Materialbox – es ist ein Einstieg in die Welt moderner Elektronikfertigung. Du lernst Mustertransfer, Ätzen, Bohren und Löten – Fähigkeiten, die auch in der professionellen Produktion zählen.
Fang klein an: eine einseitige Platine, ein paar Testmuster, Einstellungen dokumentieren. Wenn du sicher bist, kannst du auf eine Desktop-PCB-Maschine umsteigen oder deine Gerber mit Vertrauen an eine Fertigung schicken.





