Einleitung
PCB Components Identification – also das Erkennen von Bauteilen auf Leiterplatten – gehört zu den wertvollsten Fähigkeiten in Reparatur, Design und Fehlersuche.
Dieser praxisnahe Leitfaden zeigt dir einen einfachen, schrittweisen Ablauf, um die gängigen Teile auf einer Platine zu identifizieren – von Widerständen und Kondensatoren über ICs und Steckverbinder bis hin zu Jumpers.
Wir erklären, wie Referenzkennzeichner (Reference Designators) funktionieren, wie man Polarität und Pin 1 erkennt und wie man Bauteile sicher prüft.
Der 30-Sekunden-Check der Leiterplatte
Bevor du in die Tiefe gehst, bekommst du mit drei schnellen Blicken schon viele Informationen:
- Bestückungsaufdruck/Referenzcodes finden. Jedes Teil hat eine Kennung wie R105, C23, U7 oder JP1.
- Form und Markierungen ansehen. Gehäusetyp, Größe sowie Bänder, Punkte oder Kerben verraten Polarität bzw. Orientierung.
- Mit Multimeter oder Sichtprüfung verifizieren. Prüfe Durchgang, Diodenrichtung und offensichtliche Schäden wie Brandstellen, Risse oder aufgeblähte Teile.
Beherrschst du dieses Muster, identifizierst du den Großteil einer Platine nahezu intuitiv.
Referenzkennzeichner verstehen

Jedes PCB-Bauteil trägt einen Referenzkennzeichner (Buchstaben+Zahl), der Bauteiltyp und eindeutige Position im Schaltplan und Layout angibt.
Häufige Präfixe:
R = Widerstand, C = Kondensator, L/FB = Induktivität/Ferritperle, D = Diode/LED, Q = Transistor/MOSFET, U = IC, J = Steckverbinder, JP = Jumper, TP = Testpunkt, F = Sicherung, Y = Quarz/Oszillator.
Merke: Die Kennbuchstaben sind deine Landkarte. U3 im Schaltplan ist derselbe Baustein U3 auf der Platine. Mit Schaltplan/BOM kannst du die Kennung gegenprüfen und Modell sowie Spezifikationen ermitteln.
Visuelle Identifikation gängiger Bauteile
Das Erkennen über Form und Markierungen ist der schnellste Weg, eine Schaltung auf einen Blick zu verstehen.
1) Passive Bauteile
Widerstände (R)
- THT-Widerstände: Farbringe kodieren den Wert (z. B. braun-schwarz-rot = 1 kΩ).
- SMD-Widerstände: 3-/4-stellige Codes, z. B. 472 (= 4,7 kΩ).
- Potentiometer: kleines Rad/Schlitz zur Einstellung.
Kondensatoren (C)
- Keramik-SMD: kleine, braun/beige Rechtecke, ohne Polarität.
- Elektrolyt/Tantal: polarisiert – beachte Minus-Streifen bzw. „+“. Werte/Spannung stehen meist auf dem Gehäuse (z. B. 47 µF 25 V).
Induktivitäten & Ferritperlen (L, FB)
- Kleine schwarze Blöcke oder Spulen. Ferritperlen (oft FB1/FB2) dämpfen HF-Störungen.
2) Dioden & LEDs (D)
Dioden leiten nur in eine Richtung. Streifen/Kerbe markieren die Kathode (–).
Bei LEDs ist das längere Bein die Anode (+), eine abgeflachte Kante kennzeichnet die Kathode.

3) Transistoren & MOSFETs (Q)
Dreipolige Bauteile zum Schalten/Verstärken. Kleinsignal: SOT-23, Leistungs-MOSFETs: TO-220, D-PAK. Ein Kurzcode (z. B. „A06“, „IRFZ44N“) hilft bei der Datensuche.
4) Integrierte Schaltungen (U)
Rechteckige Gehäuse mit vielen Pins. Kerbe/Punkt = Pin 1.
Typen: Spannungsregler, Mikrocontroller, OPVs, Logik. Bei Unsicherheit Top-Marking/Teilenummer googeln und Datenblatt prüfen.
5) Steckverbinder, Schalter, Sicherungen
J = Header/Sockel/Buchsen – meist am Rand.
SW = Taster/Schiebeschalter.
F = Sicherungen als Glasröhrchen oder SMD-Rechtecke (F1, F2 …).
6) Quarze & Oszillatoren (Y)
Metallische Dosen oder silberne Rechtecke, mit Frequenz wie 16.000 MHz bedruckt – liefern Takt für ICs.
PCB-Jumper: Typen, Markierungen & Einsatz
Ein PCB-Jumper ist eine gewollte Kurzschluss-Brücke zur Konfiguration, zum Debuggen oder als Routing-Hilfslinie. Beschriftung: JP, SJ (Solder Jumper) oder LK (Link).

- Header + Shunt
Zweipoliger Stiftleisten-Header mit abziehbarer Kappe. Aktiviert/deaktiviert Funktionen, wählt Spannungen, setzt Firmware-Optionen. Beispiel: JP1 = USB-Versorgungswahl. - Solder Jumper (SJ)
Zwei/drei Pads, die per Lötbrücke verbunden werden. Open = getrennt, Bridged = kurzgeschlossen; dauerhaft oder re-konfigurierbar. - 0-Ohm-Widerstände
SMD-Bauteile mit Aufdruck 0/000 als feste Brücke – reflow-gelötet und zuverlässig. - Drahtbrücken (LK)
Ein Stück Draht zwischen zwei Punkten – typisch auf einseitigen Leiterplatten mit wenig Routing-Platz.
Erkennen: Nach JP/SJ/LK in der Silkscreen suchen, auf Shunt-Kappen bzw. Lötbrücken achten.
Bauteile per ECAD/BOM bestätigen
Wenn Dokumentation vorhanden ist, wird Identifikation einfach:
- Schaltplan/Layout in KiCad/Altium/OrCAD öffnen.
- Nach Referenzkennzeichner (z. B. U7) suchen und Bauteil in Schaltplan und Layout hervorheben.
- In der BOM Hersteller-Teilenummer, Wert und Gehäuse nachschlagen.
- Mit Datenblatt verifizieren: Gehäuseumriss, Pin 1, Polarität.
Ohne Unterlagen: Gehäuse vermessen, Lage im Schaltungsblock (Power/Logik/RF) beurteilen und per Bildsuche/Codes Matches finden.
Schnelltests & Fehlersuche
Auch bei visueller Erkennung sichert die Prüfung den Befund ab:
- Sichtkontrolle: Brandspuren, Gehäuserisse, aufgeblähte Elkos.
- Durchgang/Widerstand: Mit Multimeter auf offene oder kurzgeschlossene Widerstände, Jumper und Sicherungen prüfen.
- Diodentest: Dioden-/Transistor-Übergänge messen (typisch 0,6–0,7 V Vorwärtsspannung bei Si).
- Symmetrievergleich: Mehrkanal-Schaltungen (z. B. L/R-Audio) sollten ähnlich messen.
- Thermocheck: Ungewöhnlich heiße Bauteile deuten auf Defekte.
Sicherheitshinweis: Kondensatoren entladen und ESD-Schutz verwenden – besonders an eingeschalteten Baugruppen.
Beschriftungen & Polarität lesen

1) Widerstands-Codes
- SMD: drei/vier Ziffern, z. B. 472 = 4,7 kΩ (47×10²), 1001 = 1 kΩ (100×10¹).
- Farbringe: vier/fünf Ringe – mit Farbtabelle dekodieren.
2) Kondensator-Codes
Elektrolytkondensatoren tragen Kapazität + Spannung (z. B. 10 µF 16 V).
Tantal: „+“ am positiven Anschluss.
Keramik-SMD oft ohne Aufdruck – Wert aus der BOM.
3) IC- & Transistor-Markings
Top-Marking/Kurzcode identifiziert die Familie. Punkt/Kerbe/abgeschrägte Ecke = Pin 1.
Bei Dual-In-Line/Gull-Wing erfolgt die Pin-Nummerierung gegen den Uhrzeigersinn.
4) Magnetische/Filter-Bauteile
Ferritperlen oder Gleichtaktdrosseln tragen oft FB oder gar keinen Code; die Funktion erschließt sich über die Position (Eingänge/Versorgung).
Häufige Fragen (FAQ)
Wie erkenne ich PCB-Bauteile schnell?
Dreischritt: Silkscreen-Code finden → Form/Markierungen prüfen → mit Multimeter verifizieren.
Was ist ein PCB-Jumper und wie wird er beschriftet?
Eine kleine Kurzschluss-Verbindung zur Konfiguration/Verkabelung; Beschriftung JP, SJ oder LK.
Wie finde ich Pin 1 an einem IC?
Nach Kerbe, Punkt oder angeschrägter Ecke suchen – das ist Pin 1.
Kann eine Lötbrücke beabsichtigt sein?
Ja – das ist ein Solder Jumper. Dient z. B. für Optionen oder Variantensteuerung.
Welche Werkzeuge sind am nützlichsten?
Multimeter, Lupe/Mikroskop, ESD-Armband, Pinzette und gute Beleuchtung.
Schlussgedanken
PCB Components Identification erfordert keine jahrelange Erfahrung – sondern Übung und Beobachtung.
Starte mit den Grundlagen: Referenzkennzeichner lesen, Form/Polarität beachten, in Software/BOM gegenprüfen und mit dem Multimeter testen.
Mit der Zeit kannst du jede Platine ansehen und Aufbau sowie Funktion sofort einschätzen.
Jumper, Markierungen und Referenzcodes sind die Sprache jeder Schaltung. Beherrschst du sie, gelingen Reparatur, Reverse Engineering und Design mit deutlich mehr Sicherheit.





