Definitiver HDI-PCB-Leitfaden: Design, DFM-Regeln & Fertigung für hochdichte Leiterplatten

HDI stackups: 1+N+1, 2+N+2, and Any-Layer with microvias
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Table of Contents

Was ist eine HDI-Leiterplatte?

HDI steht für High-Density Interconnect (hochdichte Verbindungstechnik).
Eine HDI-Leiterplatte nutzt feine Leiterbahnen, Mikro­vias und mehrere Build-up-Schichten, um eine höhere Verdrahtungsdichte als herkömmliche Multilayer-Boards zu erreichen.

Nach IPC-2226 gilt typischerweise:

  • Leiterbahn-/Abstandsbreite < 100 µm (≈ 4 mil)
  • Mikrovias < 150 µm (≈ 6 mil)
  • > 20 Pads pro cm² Leiterplattenfläche

Kurz gesagt: HDI ermöglicht mehr Bauteile auf kleinerer Fläche, kürzere Verbindungswege und bessere elektrische Performance – ideal für Smartphones, Wearables, Kfz-Radar und Medizintechnik.

HDI-Strukturtypen

HDI-Aufbauten werden durch die Anzahl der Mikrovia-Schichten über dem Kern definiert.

HDI PCB stackups: 1+N+1, 2+N+2, and Any-Layer with microvias
  • Typ I (1+N+1): Eine Mikrovia-Schicht pro Seite des Kerns. Einsatz: Smartphones, IoT-Boards.
  • Typ II (2+N+2): Zwei gestapelte Mikrovia-Schichten pro Seite. Einsatz: dichte BGA-Fan-outs.
  • Typ III / ELIC (Any-Layer): Mikro­vias zwischen allen Lagen. Einsatz: ICs mit sehr hoher Pin-Zahl.

Gestapelte Mikro­vias liegen Lage-für-Lage übereinander; versetzte (staggered) verschieben ihre Position zwischen den Lagen. Versetzte Vias sind einfacher und günstiger zu fertigen; gestapelte sparen mehr Platz, benötigen aber robustere Verkupferung und strengere Prüfung.

Typische HDI-Stack-ups & Impedanzkontrolle

  • 1+N+1: je eine Mikrovia-Schicht oben und unten, verbunden mit einem Standard-Kern.
  • 2+N+2: zusätzliche Build-up-Schicht auf jeder Seite.
  • Any-Layer (ELIC): alle Lagen sind mit gestapelten Mikro­vias frei verschaltbar.

Da HDI dünne Dielektrika nutzt, ist Impedanzkontrolle kritisch: Signal­lagen werden oft engen Referenzebenen (Masse-/Versorgungsflächen) zugeordnet, um definierte Impedanzen für Hochgeschwindigkeits­signale (z. B. PCIe, SerDes) sicherzustellen.

Mikrovia- & Via-in-Pad-Design

Mikro­vias sind sehr kleine Blindlöcher (typisch < 0,1 mm), meist laser­gebohrt, die nur benachbarte Lagen verbinden (z. B. L1→L2).

Wichtige Via-Arten in HDI:

  • Blind Vias: von Außen- zu Innenlage
  • Buried Vias: nur zwischen Innenlagen
  • Via-in-Pad (VIP/VIPPO): Via direkt im Pad eines Bauteils zur Platzersparnis

VIP ist bei fein­pitchigen BGAs (≤ 0,4 mm) verbreitet. Die Vias werden mit Kupfer oder Epoxid gefüllt und plan übergalvanisiert, sodass eine glatte Lötfläche entsteht.

BGA fanout comparison for 0.5 mm and 0.4 mm pitch on 1+N+1 and 2+N+2 HDI

Worauf Designer achten sollten:

  • Ungefüllte Vias können beim Reflow Lotabzug verursachen.
  • Zu viele gestapelte Mikro­vias erhöhen das Risiko Rissbildung der Kupferschichten bei thermischer Belastung.

Überblick: HDI-Fertigungsprozess

HDI-Boards entstehen stufenweise im Sequential Build-Up (SBU):

  1. Kern vorbereiten: Bohren & Metallisieren der Durchkontaktierungen des Kerns
  2. Build-up-Lagen: Dünne Dielektrika (z. B. RCC, laserbohrbare Prepregs) aufbringen
  3. Laserbohren: Bildung der Mikro­vias (< 0,1 mm)
  4. Entschmieren & Metallisieren: Via-Wände reinigen und verkupfern
  5. Bildgebung: LDI (Laser Direct Imaging) für ultrafeine Leiterbilder
  6. Kupferabscheidung & Ätzen: Leiterbilder erzeugen
  7. Wiederholen für weitere Build-up-Zyklen
  8. Lötstopp, Endoberfläche und Test

Jeder zusätzliche Build-up-Schritt erhöht Kosten und Komplexität; kosteneffiziente HDI-Boards nutzen häufig eine bis zwei Build-ups pro Seite.
Neue Verfahren wie mSAP (Modified Semi-Additive Process) ermöglichen Leiterbahnen < 30 µm für Ultra-HDI (z. B. 5G-Module, kompakte RF-Systeme).

Zentrale DFM-Regeln für HDI-Designer

(Richtwerte – je nach Hersteller unterschiedlich)

  • Mikrovia-Durchmesser: 0,075–0,10 mm
  • Aspektverhältnis Mikrovia: ≤ 0,8:1
  • Fang-/Ringbreite (Annular Ring): ≥ 0,10 mm
  • Leiterbahn/Abstand: 75–100 µm
  • Versatz bei gestapelten Vias: ≥ 50 µm zwischen den Vias
  • Endkupferdicke: 18–35 µm typisch

Vermeiden Sie > 3 gestapelte Mikro­vias in Serie – die Zuverlässigkeit der Galvanik sinkt stark. Nutzen Sie wenn möglich versetzte oder Skip-Vias (L1→L3) zur Risikominimierung und Kostensenkung.

Signal- & Power-Integrität (SI/PI)

Kurze Verbindungswege bei HDI reduzieren parasitäre Effekte und verbessern die Signalintegrität.

Vorteile:

  • Weniger Stubs → geringere Reflexion
  • Kürzere Rückstrompfade → kleinere Schleifenfläche
  • Dichtere Power-/Ground-Paare → weniger Rauschen

Design-Tipps:

  • Referenzebenen geschlossen halten.
  • Stitching-Vias an Ebenen­trennungen/-rändern setzen.
  • Bei Differenzialpaaren gleichmäßigen Abstand auch über Vias beibehalten.
  • Impedanz früh simulieren – Toleranzen der dünnen Dielektrika sind kleiner.

Zuverlässigkeit & Prüfung

Aufgrund dünner Dielektrika und feiner Vias ist Qualifizierung essenziell.

Typische Probleme:

  • Halsrisse in gestapelten Mikro­vias durch thermische Zyklen
  • Kupferermüdung nach mehreren Reflow-Vorgängen
  • CAF-Bildung (Conductive Anodic Filament) bei ungeeigneter Harz/Glas-Kombination

Verifikationsmethoden:

  • IST (Interconnect Stress Test)
  • Thermoschock/-zyklus
  • Röntgen und Schliffbildanalyse

Hochzuverlässige Bereiche (Automotive, Luft-/Raumfahrt, Verteidigung) fordern zusätzliche Nachweise zu Viafüllung und Galvanikqualität.

Materialauswahl für HDI

Die Wahl des Materials beeinflusst Fertigbarkeit und Signalleistung:

  • RCC (Resin-Coated Copper): ermöglicht dünne, laserbohrbare Dielektrika
  • Laserbohrbare Prepregs: bessere Haftung zwischen Build-up-Schichten
  • Spread-Glass-Lamine: höhere Maßstabilität
  • Niederverlust-Materialien (Df < 0,005): nötig für SerDes > 10 GHz
  • Achten Sie auf ausgewogene CTE und hohe Tg (> 170 °C) für mehrfaches Laminieren und Reflow.

HDI & SMT-Bestückung – wichtige Punkte

Via-in-pad soldering: unfilled vs filled and plated over
  • Via-in-Pad muss gefüllt, plan übergalvanisiert sein → keine Hohlräume, kein Lotabzug.
  • Solder-Mask-Plugging unter BGAs verhindert Lufteinschlüsse.
  • Schablonendesign: Step-Stencils bzw. kleinere Öffnungen für 0201/01005.
  • Reflow-Profil: Aufheizrate kontrollieren, um Verzug dünner HDI-Kerne zu vermeiden.
  • Thermisches Management ist wegen dichterer Bauteile/Kupferverteilung wichtiger.

Häufige Designfehler & Gegenmaßnahmen

  • Zu viele gestapelte Mikro­viasGalvanikrisseversetzen oder Build-ups reduzieren
  • Ungefülltes VIPLotabzug, schwache LötstellenVIPPO (Kupfer/Epoxid gefüllt, plan)
  • Zu kleiner Annular RingAusbrüche beim Bohren → Fangpad vergrößern
  • Dünner Kern ohne AusgleichVerzug beim Laminieren → Ausgleichslagen/­dickeres Prepreg
  • Zu geringe Isolationsabstände um Mikro­vias → Ätz-Kurzschlüsse → Clearance/Designregeln anpassen

Schlüsselbegriffe

  • HDI: High-Density Interconnect
  • Microvia: lasergebohrte Via zwischen zwei benachbarten Lagen
  • Blind Via / Buried Via: Blind-/vergrabene Via
  • VIP / VIPPO: Via-in-Pad (gefüllt, plan übergalvanisiert)
  • SBU: Sequential Build-Up
  • ELIC: Every Layer Interconnect (Any-Layer HDI)
  • mSAP: Modified Semi-Additive Process (ultrafeine Leiterbilder)

Fazit

HDI-Leiterplatten ermöglichen kompakte und zuverlässige Designs.
Durch feine Leiterbilder, optimierte Stack-ups und kontrollierte Via-Strukturen liefern sie Hochgeschwindigkeits-Performance auf kleinem Raum.

Fastturn PCB fertigt HDI-Boards mit mechanischem Mikrobohren, LDI-Belichtung und Mehrlagen-Lamination für Anwendungen in Kommunikation, Automotive und Konsumelektronik.

Fähigkeiten:

  • Via-Durchmesser: 0,10 mm (mechanisch)
  • Leiterbahn/Abstand: 0,075 mm
  • Bis zu 20 Lagen
  • Via-Füllung und Oberflächen­beschichtung verfügbar

Mit einem zuverlässigen Fertigungspartner und sauberem Designprozess liefern HDI-PCBs erstklassige elektrische Leistung bei kompakten Bauformen – bereit für die nächste Gerätegeneration.

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